Syrien

Tote und Verletzte nach Serie von Angriffen auf Krankenhaus

Bei mehreren Angriffen mit Fassbomben im Norden der syrischen Provinz Homs, bei der auch ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus getroffen wurde, sind am Samstag sieben Menschen gestorben. Bei den Angriffen wurde das Krankenhaus teilweise zerstört, 47 Verletzte mussten in nahegelegene Gesundheitsstationen überstellt werden. Mehrere Patienten starben während des Transports.

Die erste Fassbombe wurde am Samstagmorgen um ca. 9.40 Uhr von einem Hubschrauber aus auf ein belebtes Viertel der Stadt Al Zafarana nordöstlich von Homs abgeworfen. Dabei kamen ein Mann und ein junges Mädchen ums Leben, 16 Personen wurden verletzt. Sie wurden in das Krankenhaus von Al Zafarana gebracht. Wenig später landete eine weitere Fassbombe neben dem Krankenhaus und verursachte Schäden an der Dialysestation. Etwa 40 Minuten später, um 10.30 Uhr Lokalzeit, als die Opfer des ersten Angriffs gerade in Behandlung waren, wurden zwei weitere Fassbomben direkt vor dem Eingang des Krankenhauses abgeworfen. Dabei starb eine Person, 31 Menschen wurden verletzt. Bei den Verletzten handelt es sich um Patienten, die gerade in Behandlung waren, sowie medizinisches Personal, darunter auch zwei Sanitäter des syrischen Rettungsdienstes. Einer von ihnen erlitt kritische Kopfverletzungen. Die zweite Explosion verursachte auch die teilweise Zerstörung des Krankenhauses.

Die am schwersten verletzten Patienten wurden in drei umliegende Krankenhäuser gebracht: Die 16 Verletzten des ersten Angriffs wurden sofort in ein anderes Krankenhaus gebracht, eine zweite Einrichtung nahm 21 Verletzte auf – vier Patienten waren bei der Ankunft bereits gestorben. Die dritte Einrichtung nahm zehn Verletzte auf; ein Patient war unterwegs gestorben. Insgesamt kamen bei den Angriffen sieben Personen ums Leben, 47 Menschen wurden verletzt. Bei der Hälfte von ihnen (23 Verletzte) handelte es sich um Kinder unter 15 Jahren sowie Frauen.

„Diese Bombardierungen weisen alle Zeichen eines gezielten seriellen Angriffs auf,  bei dem eine Region bombardiert wird und dann eine zweite Bombe die Rettungsteams oder das nächste Krankenhaus trifft, welches die Verletzten versorgt“, erklärt Brice de Le Vingne, Leiter der Einsätze im Brüsseler Büro von Ärzte ohne Grenzen. „Diese Taktik weist ein Niveau an kalkulierter Zerstörung auf, das kaum vorstellbar ist.“

Es ist derzeit noch unklar, ob das Krankenhaus nach den Angriffen in der Lage sein wird, die Arbeit wieder aufzunehmen. Teile der Außenmauer wurden durch die Explosion gesprengt, die Dialysestation sowie Teile des Lagers für medizinisches Material zerstört. Ärzte ohne Grenzen hat seine Unterstützung zur Renovierung oder Umsiedlung der Einrichtung angeboten und bereitet medizinisches Material für den Versand an das Team im Krankenhaus vor, sollte es möglich sein, weiter zu arbeiten.

„Dieses Krankenhaus hat rund 40.000 Menschen in Al Zafarana und Umgebung lebensrettende medizinische Behandlung geboten“, erklärt de le Vingne. „Es ist bereits eine Tragödie, dass sieben Menschen – darunter ein kleines Mädchen – getötet wurden. Wenn das Krankenhaus nun aber geschlossen werden muss oder nicht mehr alle medizinischen Dienste anbieten kann, dann wäre das eine doppelte Tragödie für die Menschen, die ohnehin mit den ständigen Gefahren des Krieges leben müssen und sonst nirgendwo medizinisch behandelt werden können.“

Ärzte ohne Grenzen ruft erneut alle Kriegsparteien in Syrien dazu auf, alles zu unternehmen damit die Zivilbevölkerung sowie zivile Einrichtungen – einschließlich Krankenhäusern und Krankenwagen – verschont werden.  Die Zunahme brutaler Angriffe wie dieser, mit einer überwältigend hohen Anzahl an zivilen Opfern, muss aufhören.

Ärzte ohne Grenzen betreibt sechs medizinische Einrichtungen im Norden Syriens und unterstützt mehr als 150 Gesundheitsposten im ganzen Land, speziell in den umkämpften Gebieten. Dabei handelt es sich vor allem um behelfsmäßige Einrichtungen, die von Ärzte ohne Grenzen mit Material und Medikamenten beliefert werden. Ärzte ohne Grenzen bietet auch Tele-Training an und unterstützt so das syrische medizinische Personal dabei, mit den extremen Anforderungen fertig zu werden. Dieses Unterstützungsnetzwerk wurde im Laufe der vergangenen vier Jahre aufgebaut.