Syrien

Bei Angriff auf Klinik in Idlib sterben mindestens sieben Menschen*

Ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus in der Provinz Idlib im Norden Syriens ist am Montagmorgen bei einem Angriff zerstört worden. Das Krankenhaus mit 30 Betten und 54 Mitarbeitern verfügte über zwei Operationssäle, eine Ambulanz und eine Notaufnahme.

Gaziantep/Berlin, 15. Februar 2016. Bei einem Angriff auf ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus im syrischen Idlib sind am Montagmorgen mindestens sieben Menschen getötet worden. Unter den Toten sind auch fünf Patienten. Mindestens acht Personen werden noch vermisst. Es ist anzunehmen, dass auch sie tot sind.

Das Krankenhaus in Ma’arat Al Numan wurde nach Auskunft des Personals in zwei Angriffswellen innerhalb von wenigen Minuten von vier Raketen getroffen. Außerdem wurden 15 Wohnhäuser und Gebäude in besiedelten Gebieten in der näheren Umgebung getroffen.

„Die Zerstörung des von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhauses scheint ein gezielter Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung gewesen zu sein“, sagt Massimiliano Rebaudengo, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen.

Außer den fünf Patienten wurden ein betreuendes Familienmitglied, sowie ein Mitarbeiter des Wachpersonals getötet. Acht Mitarbeiter der Klinik werden noch vermisst, sind aber vermutlich bei dem Angriff ebenfalls ums Leben gekommen. Außerdem werden noch Patienten vermisst. Wie viele ist derzeit noch unklar.

„Die Zerstörung des Krankenhauses lässt die rund 40.000 in der Region lebenden Menschen ohne Zugang zu medizinischer Versorgung zurück und das in einem Konfliktgebiet“, sagt Rebaudengo.

Das 30-Betten-Krankenhaus in Ma’arat Al Numan hatte 54 Angestellte und verfügte über zwei Operationssäle, eine Ambulanz und eine Notaufnahme.

In der Ambulanz wurden monatlich etwa 1.500 Patienten behandelt, in der Notaufnahme wurden durchschnittlich 1.100 Behandlungen und 140 Operationen im Monat durchgeführt. Bei den Operationen handelte es sich vor allem um orthopädische und allgemeine chirurgische Eingriffe.

Ärzte ohne Grenzen hat das Krankenhaus seit September 2015 unterstützt, unter anderem mit medizinischen Materialien und finanziell. Im vergangenen Dezember unterstützte Ärzte ohne Grenzen bei der Neuerrichtung der Klinik, nachdem diese nach drei Angriffen von dem bisherigen Standort an einen neuen verlegt werden musste.

Die Kämpfe haben sich Montagmorgen auch im Bezirk Asas, etwa 100 Kilometer von Ma’arat Al Numan entfernt, verschärft. Das von Ärzte ohne Grenzen in Asas betriebene Krankenhaus Al Salamah nahe der türkischen Grenze hat im Laufe des Tages mindestens zehn bei Kämpfen Verwundete aufgenommen. In der Stadt Asas wurde eine Mutter-Kind-Klinik, die nicht von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird, ebenfalls bombardiert. Ihr pädiatrischer Operationssaal wurde nun in das Al Salamah-Krankenhaus verlegt.

* Update vom 16.02.2016: Die Zahl der Toten in der von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Klinik in der Provinz Idlib, die am Montagmorgen beschossen wurde, ist auf mindestens 11 gestiegen. Darunter befinden sich fünf Mitarbeiter der Klinik, fünf Patienten (darunter ein Kind) sowie eine Begleitperson. Zwei Mitarbeiter der Klinik werden noch vermisst, drei wurden verletzt.