Südsudan

Südsudan: Zehntausende fliehen vor Kämpfen in der Stadt Wau

Wir haben um den UN-Stützpunkt herum mobile Kliniken durchgeführt. Den Menschen ist deutlich anzumerken, dass sie Monate von Unsicherheit hinter sich haben. An zwei Tagen haben wir allein mehr als 330 Patienten und Patientinnen behandelt.

Im Südsudan sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Kämpfen, die am Freitag in der Stadt Wau ausgebrochen sind. Das Team von Ärzte ohne Grenzen vor Ort schätzt, dass etwa 70.000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Die Vertriebenen halten sich an verschiedenen Orten in der Stadt und deren Umgebung auf. Rund 10.000 sind zum Stützpunkt der UN-Truppen geflohen. Die Vertriebenen benötigen dringend Nahrung, Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung. Offenbar wurden auch zahlreiche Menschen getötet.
 
Mobile Kliniken von Ärzte ohne Grenzen leisteten am Sonntag und Montag beim UN-Stützpunkt in Wau medizinische Nothilfe für die Vertriebenen. An den beiden Tagen behandelten die Teams insgesamt 334 Patienten. Darunter waren Menschen mit Schusswunden und Frauen, die vergewaltigt worden waren. Die meisten Patienten litten an Malaria, Mangelernährung, Durchfallerkrankungen und Atemwegsinfektionen. Am Montag brachten die Teams von Ärzte ohne Grenzen zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern nach Wau. Die medizinische Versorgung der Menschen am UN-Stützpunkt wurde dann an eine andere Organisation übergeben, so dass die Teams von Ärzte ohne Grenzen in das Gebiet südlich der Stadt fahren konnten, um dort Geflüchtete zu versorgen.
 
Dr. David Kahindi, stellvertretender medizinischer Leiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan, berichtete am Montag aus Wau: 
 
"Am Freitag vergangener Woche brachen heftige Kämpfe in Wau aus. Wir wissen noch nicht, wie viele Menschen getötet wurden, aber es liegen noch immer Tote auf den Straßen. Die Menschen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Noch immer kommen Vertriebene beim UN-Stützpunkt an. Es sind vor allem Familien, die fast nichts bei sich haben und dringend Nahrung, Wasser, Unterkünfte und medizinische Hilfe brauchen. Unsere Patienten sind in einem deutlich schlechteren Gesundheitszustand, als wir das erwartet haben."