Griechenland/Türkei/Mittelmeer

Sterben in der Ägais geht weiter - Ärzte ohne Grenzen: EU muss Landgrenze für Flüchtlinge öffnen

Mytilini/Berlin, 17. Dezember 2015. Während sich die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel zum Gipfel treffen, geht das Sterben an den EU-Außengrenzen weiter. Bei einem der zahlreichen Bootsunglücke der vergangenen Tage starben am Mittwoch vor Lesbos mindestens zwei Menschen, darunter ein Baby. Teams von Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace sowie anderer Organisationen konnten 83 Insassen des gekenterten Bootes retten.

„Während die europäischen Staatenlenker über eine noch stärkere Befestigung ihrer Außengrenzen diskutieren, sterben in der Ägäis weiter Menschen“, erklärt Aurélie Ponthieu, Expertin für Flucht und Migration von Ärzte ohne Grenzen. „Sichere Fluchtwege an der türkisch-griechischen Landgrenze würden die Zahl der Todesfälle auf See sofort reduzieren. Aber offensichtlich ziehen es die EU und die griechischen Behörden vor, das Geschehen aus der Distanz zu beobachten, anstatt konkrete Lösungen für diese Tragödien anzubieten.“

Bei dem Unfall am Mittwoch kenterte ein Schiff mit etwa 85 Menschen vor der Nordküste von Lesbos. Als die Rettungsboote von Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace an der Unglücksstelle eintrafen, versuchten sie, so viele wie möglich zu retten, indem sie den Menschen im kalten Wasser zunächst Schwimmwesten und alles, was die Menschen vor dem Ertrinken retten konnte, zuwarfen. Mindestens ein 80 Jahre alter Mann sowie ein neun Monate altes Baby ertranken. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen gehen aber von mehr Todesopfern aus.

„Das Boot war überladen, das Heck sank zuerst, dann kippte das Boot unter dem Gewicht der Passagiere völlig um“, sagt Kim Clausen vom Rettungsteam von Ärzte ohne Grenzen. „Als wir ankamen, herrschte starker Wind, die Wellen waren mindestens einen Meter hoch und die Menschen kämpften im Wasser schon ums Überleben.“

Die Überlebenden wurden auf ein norwegisches Frontex-Boot gebracht oder an andere Schiffe übergeben, die inzwischen zur Unterstützung der Rettungsaktion eingetroffen waren. Sie wurden in die nahegelegenen Städte Molyvos und Petra gebracht. Viele mussten wiederbelebt werden oder wurden von Teams von Ärzte ohne Grenzen wegen Unterkühlung behandelt.