Afghanistan

Aktuelles Statement zum Luftangriff auf unser Krankenhaus in Kundus

Das zum größten Teil zerstörte Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus, nachdem es am 3. Oktober 2015 mehrmals bombardiert wurde. Bei dem Luftangriff kamen zwölf Mitarbeiter und zehn Patienten von Ärzte ohne Grenzen ums Leben.

In der Nacht zum vergangenen Samstag wurde unser Krankenhaus in Kundus, Afghanistan, mehrmals während anhaltender Bombardements getroffen. Dabei sind zwölf Mitarbeiter und zehn Patienten von Ärzte ohne Grenzen getötet worden. Der Luftangriff wurde von den Truppen der Internationalen Koalition durchgeführt.
 
„Die amerikanische Regierung hat zugegeben, dass es ein US-Luftangriff war, der unser Krankenhaus in Kundus getroffen hat. Im Krankenhaus waren nur Mitarbeiter, Patienten und deren Angehörige. Mindestens 37 Menschen wurden verletzt. Zwölf unserer Mitarbeiter und zehn Patienten – darunter drei Kinder – wurden bei dem Angriff getötet. 
 
Wir trauern um unsere Kollegen und Patienten. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen und Freunden.
 
Die Bombardements waren eine schwere Verletzung des Humanitären Völkerrechts. Für diesen abscheulichen Angriff gibt es keine Rechtfertigung. Kein einziger unserer Mitarbeiter hat vor dem Luftangriff am Samstag von Kämpfen auf dem Gelände des Krankenhauses berichtet. 
 
Das Hauptgebäude des Krankenhauses, in dem das medizinische Personal die Patienten versorgte, wurde bei dem eine Stunde andauernden Bombardement wiederholt und sehr präzise getroffen. Das restliche Gelände blieb nahezu unberührt. 
 
Zunächst versuchte die US-Regierung die Angriffe als 'Kollateralschaden' abzutun. Dann wurde von einem tragischen Zwischenfall gesprochen. Zuletzt gab sie die Verantwortung für die Bombardements an die afghanische Regierung weiter. In jedem Fall bleibt das US-Militär verantwortlich für die Ziele, die es trifft, auch wenn es Teil einer Koalition ist.   
 
Wir fordern eine umfassende und transparente Untersuchung des Vorfalls durch eine unabhängige internationale Instanz. Es wäre völlig unzureichend, sich bei der Aufklärung ausschließlich auf eine interne Untersuchung durch einen in den Konflikt involvierten Akteur zu verlassen.“ 
 
Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland