Slowenien

Dringend mehr Hilfe für Flüchtlinge nötig

Unsere Krankenschwester Sandra Miller mit dem kleinen Rebe Ibrahim in der Ambulanz des Aufnahmezentrums Brezice. Der vierjährige Junge aus Syrien leidet unter Erschöpfung und Unterkühlung.

Tausende Menschen überqueren derzeit täglich an verschiedenen Punkten die Grenze von Kroatien nach Slowenien. Während manche von ihnen in überfüllten Übergangszentren unterkommen, müssen andere die Nächte unter freiem Himmel verbringen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt derzeit das slowenische Gesundheitsministerium im Aufnahmezentrum Brezice und wird nach einer Untersuchung der Lage in der Region die humanitäre Hilfe weiter aufstocken.

Seit der Grenzschließung Ungarns reisen die Menschen von Serbien und Kroatien über Slowenien weiter nach Deutschland und Nordeuropa. Doch auch wenn sich die slowenischen Behörden auf die Ankünfte gut vorbereitet hatten, war der intensive Flüchtlingszustrom überwältigend: Die geplanten Kapazitäten wurden teilweise bis auf das Fünffache überschritten. Bis zu 6.000 Menschen auf der Flucht kommen täglich an verschiedenen Grenzorten an, während die Unterkünfte im gesamten Land für nur rund 2.500 Personen ausgelegt sind. Daher stranden laufend tausende Flüchtlinge unter erbärmlichen Bedingungen sowohl im überfüllten Aufnahmezentrum Brezice als auch auf Feldern rund um Rigonce und Dobava im Osten des Landes. Sie haben keinen Zugang zu Unterkünften, Nahrung und Sanitäranlagen, was Auswirkungen auf ihre psychische und physische Gesundheit hat. Um alle Menschen versorgen zu können, die Hilfe brauchen, müssen die medizinischen Kapazitäten erhöht werden. Die Situation wird sich angesichts der bevorstehenden Wintermonate und sinkender Temperaturen noch weiter verschlechtern.

Menschen sind extrem erschöpft

Ein medizinisches Team von Ärzte ohne Grenzen unterstützt seit Mittwoch das slowenische Gesundheitsministerium im Aufnahmezentrum Brezice. Tausende Menschen auf der Flucht, darunter Familien, Kinder, Ältere und Behinderte, verbringen die Nacht draußen auf dem Gelände des Zentrums, ohne Schutz vor der Kälte.

„Die Menschen sind extrem erschöpft, und es gibt hier nichts“, so unsere Krankenschwester Sandra Miller. „Sie schlafen draußen in der Kälte und haben keine Unterkunft, kein warmes Essen, nichts.“ Derzeit behandelt unser Team hauptsächlich Erschöpfungszustände, Unterkühlung, Atemwegserkrankungen und Grippesymptome. „Von einem medizinischen Standpunkt aus betrachtet brauchen sie derzeit am dringendsten ein beheiztes Zelt und eine warme Suppe“, unterstreicht Ärztin Susanna McAllister.

Der Winter naht – mehr Hilfe ist dringend nötig

Nachdem unser Team am Samstag die Situation im Gebiet rund um Brezice erkundet hat, wird nun die logistische und medizinische Hilfe ausgeweitet, um die Situation vor Ort zu verbessern, die Durchreisekapazitäten zu erhöhen und die Aufnahmezentren zu entlasten. Während der vergangenen zwei Tage sind zwischen 10.000 und 15.000 Flüchtlinge in Griechenland angekommen, die wahrscheinlich ihre Reise Richtung Mitteleuropa ebenfalls entlang der Balkan-Route fortsetzen werden.

„Der Mangel an Koordination zwischen den EU-Mitgliedsstaaten erzeugt eine humanitäre Krise“, so Margaretha Maleh, Präsidentin der österreichischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, die derzeit vor Ort in Brezice ist. „Diese Menschen haben ein Recht auf Würde und auf humanitäre Hilfe während ihrer Reise, dazu zählen auch eine warme und trockene Unterkunft, ausreichend Essen, warme Duschen und medizinische Versorgung.“