Ärzte ohne Grenzen zur Münchner Sicherheitskonferenz: Angriffe auf medizinische Einrichtungen müssen aufhören

Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland

Bei der heute beginnenden 53. Münchner Sicherheitskonferenz diskutieren die Teilnehmer unter anderem das Problem von Angriffen auf Krankenhäuser sowie mögliche Sicherheitsrisiken durch Epidemien. Dazu erklärt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland:
 
„Wir erwarten, dass die in München versammelten Entscheidungsträger Angriffen auf Zivilisten und medizinische Einrichtungen klar und deutlich entgegentreten. Diese Angriffe müssen aufhören. Medizinische Einrichtungen müssen sichere Orte sein. Es ist unerträglich, dass Patienten und medizinisches Personal auf dem Weg zum Krankenhaus oder sogar im Krankenhaus selbst angegriffen oder sogar getötet  werden. Es darf nicht sein, dass durch diese Angriffe tausende Menschen langfristig den Zugang zu lebensrettender und grundlegender medizinischer Versorgung verlieren, wie derzeit beispielsweise in Syrien oder im Jemen. Vier von fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats sind Partner in Militärkoalitionen, die in den vergangenen beiden Jahren Krankenhäuser angegriffen haben. Im Mai hat derselbe Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedet, die diese Angriffe stoppen sollte. Doch seitdem wurden weiter Dutzende Kliniken bombardiert. Dieser Wahnsinn darf nicht zur Normalität werden. Menschen haben ein Recht auf medizinische Versorgung – auch im Krieg.
 
Auch Gefahren durch Epidemien stehen in München auf der Tagesordnung. Es ist gut, dass dieses Thema mehr internationale Aufmerksamkeit erfährt. Doch Gesundheit alleine durch das Prisma der Sicherheit zu betrachten, ist aus unserer Sicht eine gefährliche Verkürzung. Im Zentrum des Handelns müssen zunächst die Patienten stehen, und eben gerade nicht die Sicherheitsinteressen von Nationalstaaten. Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat uns klar vor Augen geführt: Viele Staaten werden erst dann aktiv, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre eigenen Sicherheitsinteressen bedroht sind. Diese verzögerte Reaktion kostet Menschenleben und trifft insbesondere diejenigen, die Hilfe am dringendsten benötigen. Wir haben nicht den Eindruck, dass die Welt heute in der Lage ist, schneller und effizienter auf eine internationale Gesundheitskrise zu reagieren als vor der Ebola-Epidemie in Westafrika.“