Schlangenbisse – und die schrecklichen Folgen

Nach einem Schlangenbiss erhalten Betroffene oftmals keine wirksame Behandlung. So bleibt als einzige Option vielfach nur eine Amputation. Jedes Jahr bleiben rund 400.000 Menschen dauerhaft entstellt.

Jedes Jahr werden etwa 2,7 Millionen Menschen von Giftschlangen gebissen. 100.000 Betroffene sterben an den Folgen  mehr als bei jeder anderen vernachlässigten Krankheit. Jetzt ist der Moment, dies zu ändern: Regierungen, Geber, nichtstaatliche Akteure und auch pharmazeutische Unternehmen müssen gemeinsam Zugang zu effektiver Behandlung ermöglichen.

"Stellen Sie sich vor, wie beängstigend es sein muss, von einer Schlange gebissen zu werden. Den Schmerz und das Gift zu spüren, das sich in deinem Körper ausgebreitet hat. Zu wissen, dass es dich töten kann und dass kein Medikament dagegen gibt, oder dass du es dir nicht leisten kannst."  Dr. Gabriel Alcoba, Experte für Schlangenbisse von Ärzte ohne Grenzen

Wer ist betroffen?

Schlangenbisse betreffen meist ärmere Menschen: barfuß arbeitende Bauern sowie Menschen, die vor Konflikten oder Gewalt fliehen oder in ländlichen Gebieten leben und kaum Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Die Zahl der Betroffenen lässt sich nur schätzen, da viele Menschen es nie zur Behandlung ins Krankenhaus schaffen. Schlangenbisse können eine Vielzahl von Auswirkungen haben: Atemlähmung, Gerinnungsstörungen, Nierenversagen und Gewebeschäden, die eine Amputation erfordern. Ein Biss kann innerhalb von Stunden auch zum Tod führen. Jedes Jahr sterben etwa 40 Mal mehr Menschen an Schlangenbissen als an Landminen.

Was ist das Problem bei der Behandlung?

Effektive Gegengifte, sogenannte Antivenine, können die meisten durch Schlangengift verursachten Symptome therapieren. Doch nur wenige Menschen haben Zugang zu bezahlbaren und effektiven Gegenmitteln. Sie sind oft teuer und dort, wo sie wirklich benötigt werden, nicht verfügbar. Ein Mangel an qualifizierten medizinischen Fachkräften erschwert die effektive Behandlung von Schlangenbissen. Es wird geschätzt, dass nur zwei Prozent der Menschen, die von Giftschlangen in Subsahara-Afrika gebissen werden, qualitativ hochwertiges Gegengift erhalten.

Es entsteht ein verhängnisvoller Kreislauf: Wegen der hohen Preise greifen Patientinnen und Patienten oft zu günstigeren Produkten. Einige davon sind jedoch nicht wirksam oder sogar toxisch. Die Menschen meiden daher Gegengiften und wenden sich stattdessen an traditionelle Heilerinnen und Heiler.
Dies führt zu einer geringe Nachfrage von Gegengiften im Allgemeinen. Das macht den Markt für Firmen wenig lukrativ. Pharmaunternehmen stoppen die Produktion oder steigen gar nicht erst in den Markt ein. Ohne Konkurrenz und Massenproduktion bleiben die Preise hoch.

Unsere Teams haben 2017 mehr als 3.000 Patientinnen und Patienten wegen Schlangenbissen behandelt. Unsere Behandlung ist kostenlos, was viele Betroffene davor bewahrt, sich zu verschulden. Die meisten Menschen behandelten wir in Projekten in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan, in Äthiopien und im Jemen.

Was passiert jetzt?

Im Jahr 2017 setzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Schlangenbisse auf die Liste der vernachlässigten Krankheiten. Zurzeit erarbeitet die WHO eine Roadmap zur wirksamen Prävention, Diagnose, Aufklärung und Behandlung von Schlangenbissen. Um Schlangenbisse adäquat zu behandeln, müssen die Regierungen, sowohl der Geberländer, als auch der betroffenen Länder, diesen Aktionsplan unterstützen.