‚The Right Shot‘-Report

Anlässlich der Wiederauffüllungskonferenz der Impfallianz Gavi am 27. Januar 2015 in Berlin veröffentlicht Ärzte ohne Grenzen den Bericht „The Right Shot Report: Bringing Down Barriers to Affordable and Adapted Vaccines“.  Der Bericht zeigt auf, dass sich der Preis für die vollständige Immunisierung eines Kindes seit 2001 um das 68-fache in den ärmsten Ländern erhöht hat. Viele ärmere Länder können sich die hohen Preise für Impfstoffe nicht leisten, gerade die neueren gegen Pneumokokken und Rotaviren, die Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen auslösen.

Darüber hinaus versucht der Bericht ein wenig Licht in den intransparenten Impfstoffmarkt zu bringen. Regierungen können bislang die Preise nicht vergleichen. Dadurch wird eine effektive Verhandlung mit den Herstellern deutlich erschwert. Das Resultat ist, dass Länder wie Tunesien und Marokko mitunter mehr für einen Impfstoff zahlen als deutlich wohlhabendere Länder wie Frankreich.

Den Bericht „The Right Shot Report: Bringing Down Barriers to Affordable and Adapted Vaccines“ in voller Länge gibt es hier.

Hier finden Sie einige interessante Fakten aus dem Bericht:

Hohe Impfstoffpreise

  • Explosion des Preises für einen vollständigen Impfschutz für ein Kind – die Kosten haben sich in den Jahren von 2001 bis 2014 auf das 68-fache vervielfacht – von US$ 0.67 im Jahr 2001 auf US$ 45.59 im Jahr 2014.*
  • 127 Prozent Anstieg des Preises für den billigsten Tetanus-Impfstoffs für UNICEF in den letzten 15 Jahren

Ländern mit mittleren Einkommen werden zu hohe Preise berechnet

  • US$ 63.74 kostet eine Pneumokokken-Impfung in Marokko – US$ 58,40 in Frankreich. Auch Tunesien und Libanon zahlen mehr als Frankreich, trotz deutlich geringerem Bruttonationaleinkommen (BNE).
  • Libanon zahlt mehr als das 30-fache des global billigsten Preises der Rotavirus-Impfung (GSK-Preis: US$ 76.34; UNICEF-Preis: US$ 2.50)
  • Die Rotavirus-Impfung kostet in Belgien und Libanon gleich viel – trotz des höheren BNE’s Belgiens.

Es droht eine drastische Preiserhöhung, wenn Länder die Unterstützung von Gavi verlieren

  • Ohne den Zugang zu den von Gavi verhandelten Impfstoffpreisen stehen einige Länder vor massiven Herausforderungen. Angola sieht einem Preisanstieg von 1.523 Prozent entgegen, Indonesien steht vor einer Erhöhung von 1.547 Prozent und die Republik Kongo vor einer Preiserhöhung von 801 Prozent (im Vergleich der Jahre 2012 und 2018)

Forschungskosten und Profit

  • Pneumokokken-Impfstoff (von Pfizer): Umsatz von US$ 15.9 Milliarden (2010-2013)
  • Rotavirus-Impfstoff (GSK): Geschätzte Entwicklungskosten von US$ 150-466 Millionen. Umsatz 2010-2013: US$ 3 Milliarden.
  • Rotavirus-Impfstoff (Merck): Geschätzte Entwicklungskosten US$ 167-508 Millionen. Umsatz 2010-2013: US$ 4.3 Milliarden
  • HPV Impfstoff (GSK): Geschätzte Herstellungskosten pro Impfung US$ 4,60. Umsatz 2007-2013 (2. Quartal): US$ 2 Milliarden.
  • HPV Impfstoff (Merck): Geschätzte Herstellungskosten pro Impfung: US$ 4,50. Geschätzter Profit der HPV-Impfung über die letzten 7 Jahre: US$ 8 Milliarden.
  • HPV Impfstoff (GSK & Merck): Die hohen Preise der HPV-Impfung haben es GSK und Merck ermöglicht, einen Umsatz zu erzielen, der dem 12-16-fachen des Herstellungspreises entspricht.
*US$ 32.09 für die komplette Immunisierung eines Jungen 2014; US$ 45.59 für die komplette Immunisierung eines Mädchens (inklusive der HPV-Impfung)