Sudan

Zweite Festnahme in Sudan: Darfur-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen festgehalten

Khartum/Berlin, 31. Mai 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist empört über die Festnahme eines zweiten Mitarbeiters der Organisation in Sudan. Vincent Hoedt, Koordinator für die Projekte in der westsudanesischen Krisenregion Darfur, wurde am Dienstag in Nyala festgenommen. Bereits am Montag war Landeskoordinator Paul Foreman vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Hintergrund ist ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen über sexuelle Gewalt in Darfur.

"Diese Festnahmen sind absolut inakzeptabel", sagt Geoff Prescott, Geschäftsführer der betroffenen holländischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Die Regierung bestraft humanitäre Helfer dafür, dass sie den Opfern des Konflikts beistehen."

Ärzte ohne Grenzen leistet seit mehr als 20 Jahren medizinische Nothilfe für die Zivilbevölkerung in Sudan. In der Krisenregion Darfur ist Ärzte ohne Grenzen an 29 Orten mit 180 internationalen und 3.000 sudanesischen Mitarbeitern im Einsatz. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat die Organisation dort knapp eine Million Konsultationen durchgeführt und mehr als 50.000 unterernährte Kinder behandelt. Ärzte ohne Grenzen steht den Sudanesen nicht nur in Darfur, sondern auch in anderen Regionen des Landes bei.

Paul Foreman, 45, arbeitet seit 2002 für Ärzte ohne Grenzen. Der britische Logistiker war zuvor Landeskoordinator in Kongo-Brazzaville, Angola und im Irak. Der 35-jährige Niederländer Vincent Hoedt ist seit 1996 für Ärzte ohne Grenzen tätig. Der Logistiker hat für die Organisation in Kolumbien, Liberia, der Demokratischen Republik Kongo, Sudan, Sambia, Albanien und Nigeria gearbeitet.

Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Bericht über sexuelle Gewalt in Darfur vom März 2005. In den Projekten der Organisation suchen hunderte Frauen und Mädchen medizinische Hilfe, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Die meisten Patientinnen machen Milizen und Militärangehörige für Vergewaltigungen verantwortlich.

Die sudanesischen Behörden werfen Ärzte ohne Grenzen Verbrechen gegen den Staat und Spionage vor. Zudem wird die Organisation beschuldigt, falsche Berichte veröffentlicht zu haben und die sudanesische Gesellschaft zu untergraben. Ärzte ohne Grenzen weist alle Vorwürfe entschieden zurück und verlangt, dass die Anschuldigungen zurückgenommen werden. "Die Festnahme von zwei Koordinatoren schränkt unsere Fähigkeit, humanitäre Hilfe zu leisten, extrem ein. Die Not Leidenden in Darfur dürfen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden", fordert Prescott.

Der Bericht steht als PDF zum Download zur Verfügung:

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030 - 22 33 77 00