Afghanistan

Zwei Jahre nach Mord an Mitarbeitern in Afghanistan: Hauptverdächtigter vor Ende des Verfahrens freigelassen

Berlin, 26. September 2006. Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an fünf Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan ist der Hauptverdächtige vor Ende des Verfahrens freigelassen worden. Der Verdächtige, Hadji Yaqub, war bereits im Januar aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Da die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, blieb er jedoch in Untersuchungshaft. Wie Ärzte ohne Grenzen nun erfahren hat, wurde Yaqub am 12. September 2006 freigelassen, da er nach dem Gesetz nicht länger in Untersuchungshaft bleiben durfte. Zuvor war bekannt geworden, dass die Akte des Verdächtigen verloren gegangen ist.

"Die Freilassung lässt all unsere Fragen unbeantwortet", so Geoff Prescott, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Holland. "Wir haben nichts über die Hintergründe der Morde erfahren, und wir verstehen nicht, warum offensichtlich seit Januar im Gerichtsverfahren nichts geschehen ist, so dass der Hauptverdächtige nun freigelassen wurde. Wir sind frustriert und befürchten, dass wir niemals erfahren werden, was wirklich geschah und warum."

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Egil Tynaes, Pim Kwint, Hélèn de Beir, Fasil Ahmad und Besmillah waren am 2. Juni 2004 im Nordwesten Afghanistans in der Provinz Badghis brutal umgebracht worden. Ihre Ermordung und die Versäumnisse der afghanischen Regierung bei der Aufklärung des Verbrechens führten zur Schließung der Programme der Organisation in Afghanistan. Ärzte ohne Grenzen hatte 24 Jahre lang humanitäre Hilfe in dem Land geleistet.

Ärzte ohne Grenzen ist auch besorgt über die Konsequenzen, die es für die afghanische Zivilgesellschaft haben kann, wenn Menschen ermordet werden und das Verbrechen ungestraft bleibt. Anfang September waren zwei weitere, ebenfalls der Ermordung an den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen Verdächtigte vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00