Sudan

Zwangsumsiedlung von Vertriebenen in Darfur - Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über Gesundheitslage

Paris/Berlin, 15. Januar 2004. Die sudanesische Regierung hat am Donnerstag zwei Vertriebenenlager in der Stadt Nyala in der Provinz Darfur im Westen des Sudans geschlossen. Hier lebten etwa 10.000 Vertriebene, die vor den Kämpfen in der Region geflüchtet waren. Die extrem geschwächten Menschen sollen in neue Lager zwangsumgesiedelt werden, die etwa 20 Kilometer von Nyala entfernt liegen. Dort sind weder die notwendige Sicherheit noch ausreichende Hilfe gewährleistet. Ärzte ohne Grenzen befürchtet, dass sich die Gesundheitssituation der Vertriebenen durch die Umsiedlung weiter verschlechtern wird.

Die Umsiedlung der Vertriebenen, die gegen ihren Willen geschah, begann am 14. Januar. Als einige Vertriebene aus Angst vor der Umsiedlung panikartig aus den Lagern in Nyala flohen, wurde die Aktion zunächst abgebrochen. Am folgenden Tag wollten sudanesische Polizeikräfte die Umsiedlung fortführen, doch zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 90 Prozent der Vertriebenen die Lager verlassen. In der Folge sind schwer unterernährte Kinder nicht zu ihrer Behandlung bei Ärzte ohne Grenzen erschienen. Darüber hinaus haben die sudanesischen Behörden den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen verboten, die in den Lagern verbliebenen Menschen mit Trinkwasser zu versorgen.

Der Gesundheitszustand der Vertriebenen war bereits vor Schließung der Lager sehr Besorgnis erregend. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren lag Ärzte ohne Grenzen zufolge in den vergangenen zwei Wochen bei 6/10.000 pro Tag. Dies entspricht einer akuten Notsituation. Ärzte ohne Grenzen fürchtet daher, dass die Zwangsumsiedlung sich negativ auf den Gesundheitszustand der Menschen auswirken wird. Die neuen Lager sind für Hilfsorganisationen aus Sicherheitsgründen zudem nur schwer zugänglich, da in der Region noch immer gekämpft wird. Bisher fehlt es dort am Nötigsten. Es stehen weder sichere Unterkünfte noch Nahrungsmittel zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es zu wenig Wasserstellen und Latrinen.

Täglich kommen etwa 50-150 neue Vertriebene in Nyala an, die vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen in ihren Dörfer fliehen. Die meisten haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren, ihre Dörfer wurden niedergebrannt und ihre Ernten geplündert oder verbrannt.

Seit rund einem Jahr ist die Region Darfur Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen, der etwa eine Million Menschen in der Provinz betrifft und der bis heute die Vertreibung von 600.000 Menschen zur Folge hatte. Seit Ende 2003 leistet Ärzte ohne Grenzen dort Hilfe, vor allem in den Vertriebenenlagern von Nyala sowie in Zalinge, wo etwa 7.000 Menschen Zuflucht gesucht haben. Die große Mehrheit der Vertriebenen ist jedoch für Hilfsorganisationen völlig unerreichbar. Im Tschad versorgen die Mitarbeiter Flüchtlinge aus der Provinz Darfur in den Dörfern Tine, Birak und Adré.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00