Welt-Tuberkulose-Tag: Einfache und verlässlichere Diagnosemethode dringend notwendig

Genf/Berlin, 22. März 2005. Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März fordert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Entwicklung einer einfachen und verlässlicheren Diagnosemethode für Tuberkulose (TB). In ärmeren Ländern wird die Krankheit ohne einen solchen Test bei etwa der Hälfte der Patienten weiter nicht diagnostiziert werden können. Dies unterläuft die weltweiten Anstrengungen zur Eindämmung von Tuberkulose.

Fast neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose, die große Mehrheit der Betroffenen in Entwicklungsländern. Rund 99 Prozent aller Todesfälle durch TB weltweit sind in ärmeren Ländern zu verzeichnen. Dort leben auch 90 Prozent aller HIV/Aids-Patienten, die oft von Begleiterkrankungen wie TB betroffen sind. Diese Tatsachen finden bei der Entwicklung besserer TB-Tests aber kaum Berücksichtigung. Die Forschung konzentriert sich auf die finanziell lukrativeren westlichen Märkte.

"Ich bin es leid, mit anzusehen, wie meine Patienten an Tuberkulose sterben. Die zur Verfügung stehende Diagnosemethode stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist einfach nicht gut genug", sagt die Ärztin Martha Bedelu, die für Ärzte ohne Grenzen in Südafrika arbeitet. Immer wieder sind die Helfer gezwungen, Patienten auf den bloßen Verdacht auf Tuberkulose zu behandeln. Darüber hinaus wird bei vielen Patienten die Diagnose zu spät gestellt.

Die Diagnostik von Tuberkulose beruht in Entwicklungsländern gewöhnlich auf einer Untersuchung von Sputumproben unter dem Mikroskop. Diese wurde vor 123 Jahren entwickelt. Allerdings werden die Bakterien nur in 45 bis 60 Prozent der Fälle mit dieser Methode entdeckt. Noch weniger effektiv ist das Verfahren bei Menschen, die sowohl an HIV/Aids als auch an TB erkrankt sind. Dies sind 30 Prozent der weltweit rund 40 Millionen HIV/Aids-Kranken. "Das ist unhaltbar, denn die meisten HIV/Aids-Patienten sterben an TB", erläutert Bedelu. Zudem ist der Test bei Kindern unzureichend und bringt kein Ergebnis, wenn andere Organe als die Lungen befallen sind.

Ärzte ohne Grenzen beteiligt sich an der Entwicklung neuer Tests. "Wir benötigen eine Methode, die ähnlich funktioniert wie der Malariaschnelltest, mit dem wir arbeiten. Der ist einfach anzuwenden, bringt fast sofort ein Ergebnis und kann von jedem Helfer eingesetzt werden - auch weit entfernt von einem Labor", sagt Tido von Schön-Angerer, Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. "Wir befürchten aber, dass die gegenwärtige Linie in der Produktentwicklung nicht dazu führt, einen Test zu produzieren, der die Erkrankung bei allen Patienten feststellt. Dafür sind weitaus mehr Investitionen in die Grundlagenforschung für eine neuartige TB-Diagnostik notwendig", sagt Schön-Angerer. "Je länger die Entwicklung dauert, umso mehr Menschen sterben ohne zu wissen, dass sie ihr Leben durch TB verloren haben."

Ärzte ohne Grenzen behandelt TB-Patienten in fast 50 Projekten in 24 Ländern. 16.500 Patienten wurden 2004 in eigene Programme aufgenommen, viele weitere wurden in nationale TB-Programme überwiesen.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Tel: 030-22337700