Welt-Aids-Tag: Ärzte ohne Grenzen: Bundesregierung muss mehr Geld bereitstellen

Berlin, 29. November 2002. Anlässlich des Welt-Aids-Tages ruft die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Regierungen, internationale Organisationen und Geberländer auf, die Programme zur Behandlung von HIV/Aids-Patienten in ärmeren Ländern auszuweiten. Die Organisation fordert die Regierungen der Industrieländer auf, mehr Geld für die Behandlung bereitzustellen und den Schutz der Gesundheit in ärmeren Ländern nicht zu Gunsten eigener Interessen einzuschränken. Zudem müssen die Arzneimittelpreise drastisch gesenkt werden.

"Jede Minute sterben sechs Menschen an Aids. Wir können keine Kompromisse machen, wenn es um Menschenleben geht", so Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen. "Jedes Land muss über effektive und praktikable Methoden zum Schutz der öffentlichen Gesundheit verfügen. Sonst setzt die WTO das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel."

Um ärmeren Ländern Zugang zu erschwinglichen Arzneimitteln zu ermöglichen, müssen zudem der Patentschutz von Medikamenten flexibel gehandhabt und die Produktion von Nachahmerprodukten (Generika) angekurbelt werden. Derzeit deuten die Verhandlungen der Welthandelsorganisation jedoch darauf hin, dass die Herstellung von kostengünstigen Generika künftig erschwert und der Export in ärmere Länder blockiert werden.

Darüber hinaus fordert Ärzte ohne Grenzen die Regierungen der Industrieländer auf, mehr Geld für die Behandlung von HIV/Aids zur Verfügung zu stellen. Bislang wurden anstelle der von UN-Generalsekretär Kofi Annan jährlich geforderten sieben bis zehn Milliarden US-Dollar lediglich 2,1 Milliarden US-Dollar in den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria eingezahlt. Die drei reichsten Länder der Welt - die USA, Japan und Deutschland - haben bisher lediglich sieben Prozent des von ihnen erwarteten Beitrags geleistet. Ärzte ohne Grenzen fordert die Bundesregierung auf, mindestens 350 Millionen Euro jährlich zur Verfügung zu stellen.

"Die Hilfsorganisationen können jedoch niemals alle Betroffenen erreichen. Die Regierungen müssen nationale Behandlungsprogramme einrichten, in denen die Therapie kostenfrei oder zu erschwinglichen Preisen angeboten wird", so Pécoul. "Dafür sind kostengünstige Medikamente und einfachere Behandlungsprotokolle nötig, die in ärmeren Ländern anwendbar sind: Erforderlich ist eine Therapie in Form einer täglichen Tablette für den Preis von 20 Cents." Ärzte ohne Grenzen unterstützt den Vorschlag der Weltgesundheitsorganisation, die Behandlung für 70 US-Dollar pro Jahr anzubieten.

"Für uns ist jeden Tag Aids-Tag. In unseren Projekten zeigen wir, dass es möglich ist, Menschen in ärmeren Ländern mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln", sagt Dr. Bernard Pécoul, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. In Pilotprojekten in zehn Ländern behandelt die Organisation inzwischen rund 2.300 HIV/Aids-Patienten mit der so genannten Dreifachtherapie.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00