Liberia

Verzweifelte Situation für Zivilisten in Liberias Hauptstadt - Ärzte ohne Grenzen schickt Hilfsgüter nach Monrovia

Berlin, 10. Juni 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat einen Teil des Personals aus der seit Tagen umkämpften liberianischen Hauptstadt Monrovia abgezogen, bleibt aber weiterhin mit einem dreiköpfigen Team vor Ort. Nach Angaben der Organisation funktioniert die Wasserversorgung nicht mehr, und die Krankenhäuser haben keinen Strom. Viele Bewohner Monrovias sind geflohen, um sich vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen.

Ärzte ohne Grenzen ruft die Kriegsparteien dazu auf, die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, Hilfsorganisationen Zugang zu gewähren und die dringend benötigten Hilfsgüter in die Krankenhäuser und Gesundheitszentren passieren zu lassen.

18 Tonnen Hilfsgüter wurden mittlerweile nach Freetown entsandt, der Hauptstadt des benachbarten Sierra Leone. Darunter befinden sich Medikamente, Nahrungsmittel sowie Wasser- und Sanitärmaterial. Darüber hinaus versucht Ärzte ohne Grenzen mehr Informationen über den Verbleib der Vertriebenen zu sammeln. In der vergangenen Woche hatten Zehntausende Menschen aus den ländlichen Gebieten in der Hauptstadt Zuflucht gesucht. Aufgrund der Unsicherheit wurden sie erneut vertrieben.

In den vergangenen Tagen hat das Redemption-Krankenhaus, in dem Ärzte ohne Grenzen tätig ist, einige Menschen behandelt, die durch die Kämpfe verletzt wurden. Es handelt sich dabei um das einzige öffentliche Hospital der Stadt. Die Vorräte werden jedoch langsam knapp, es gibt zudem weder Wasser noch Strom. Am Sonntag wurde zudem das Island-Krankenhaus, das die Organisation ebenfalls unterstützt, geplündert.

Oberste Priorität für das Team von Ärzte ohne Grenzen ist es, die Krankenhäuser weiterhin mit Medikamenten und medizinischem Material zu unterstützen. Noch wird die Belieferung jedoch durch das Chaos und die Gewalt in den Straßen erschwert. Die Organisation geht davon aus, dass die Patientenzahl sich drastisch erhöhen wird, sobald sich die Sicherheitslage in der Stadt etwas verbessert.

"In den vergangenen Wochen haben wir in den Krankenhäusern und Gesundheitszentren etwa 2.500 Konsultationen wöchentlich durchgeführt", sagte Christopher Stokes, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen für Westafrika. "Unseren Mitarbeitern zufolge kommen zurzeit nur noch wenige Patienten in die Gesundheitsstationen. Die große Unsicherheit in der Stadt hindert die Menschen daran, medizinische Hilfe zu suchen", so Stokes.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00