Tschad

Vertrieben und ohne Hilfe - Die Situation der Menschen in Westdarfur wird immer schwieriger

Berlin/Khartum, 29. Januar 2007. Nach erneuten Angriffen und der Zerstörung von Dörfern sind in der sudanesischen Region Westdarfur seit Ende Dezember wieder Hunderte von Familien auf der Flucht. Einige von ihnen haben in Lagern nahe El Geneina, der Hauptstadt der Region, Zuflucht gefunden. Andere befinden sich nach wie vor schutz- und hilflos in dem von bewaffneten Gruppen kontrollierten Gebiet. Die Gefahr von Überfällen erschwert auch die Arbeit humanitärer Organisationen.

Mindestens tausend Familien haben sich in das Dorf Tanjeke, rund 30 Kilometer nördlich von El Geneina, geflüchtet. Hier leben sie in provisorischen Unterkünften aus Gras und Blättern ohne richtige Dächer unter freiem Himmel. Den Vertriebenen fehlt es an Wasser, auch Nahrungsmittel sind knapp. Die meisten Menschen lebten vor ihrer Flucht in Lagern. Für sie ist es die zweite Vertreibung in drei Jahren.

Am 19. Januar konnte sich ein Erkundungsteam von Ärzte ohne Grenzen in Tanjeke ein Bild von der Situation der Menschen machen. Die Gefahr von Überfällen auf den Straßen dorthin ist jedoch so groß, dass ein Hilfseinsatz zur Zeit nicht möglich ist. Für die bereits geschwächten Vertriebenen bedeutet dies, dass sie die dringend benötigte Hilfe nicht erhalten.

In den Lagern Ardamata und Dorti nahe El Geneina sind bislang 750 Familien mit mehr als 5.000 Menschen angekommen. Täglich treffen weitere kleine Gruppen von Vertriebenen ein. Die meisten kommen nachts, wenn die Gefahr auf dem Weg ins Lager Opfer eines Überfalls zu werden nicht ganz so hoch ist. Viele der Geflüchteten berichten über Gewalt gegen die Bewohner ihres Dorfes.

Im Lager Ardamata hat Ärzte ohne Grenzen eine mobile Klinik eingerichtet, in der Neuankömmlinge untersucht werden. In ihr wurden bereits mehr als 500 Patienten behandelt. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in Ardamata und Dorti außerdem Hilfsgüter wie Wasserkanister, Decken, Plastikplanen sowie hochproteinhaltige Kekse verteilt und einige Unterkünfte errichtet. Die Temperaturen sinken zu dieser Jahreszeit in der Region nachts bis auf fünf Grad.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit drei Jahren in Westdarfur.
Weitere Informationen: Pressestelle, Matthias Bertsch, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00