Sudan

Verfolgung, Einschüchterung und mangelnde Hilfe in Darfur: Aktueller Bericht von Ärzte ohne Grenzen zur Lage im Sudan

Berlin, 1. November 2004. Trotz vieler Versprechen ist es der sudanesischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft nicht gelungen, in der Region Darfur für genügend Sicherheit und Hilfe zu sorgen. Dies ist das Ergebnis eines Berichts, den die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Montag in Berlin veröffentlichte. Nach Ansicht der Organisation muss die Hilfe für die Menschen dringend aufgestockt und verbessert werden sowie verstärkt auch an entlegenen Orten geleistet werden, wo die Vertriebenen Zuflucht gesucht haben. Zudem muss die Gewalt gestoppt werden, die an vielen Orten noch immer alltäglich ist.

Seit mehr als einem Jahr erträgt die Bevölkerung Darfurs Gewalt und Terror, rund 1.8 Millionen Menschen sind in der Folge aus ihren zerstörten Dörfern geflohen. Der Bericht zeigt die Allgegenwärtigkeit der Gewalt auf und die Folgen der Grausamkeiten, die den Menschen angetan wurden. Die Vertriebenen fühlen sich in den Lagern nicht sicher, in denen sie Zuflucht gefunden haben und sind eingeschüchtert. Sie berichten, dass die Lager teilweise von denjenigen bewacht werden, die zuvor ihre Dörfer verbrannt und ihre Familienmitglieder getötet haben. Die meisten haben Angst davor, nach Hause zurückzugehen.

"So viele Worte und Versprechen hochrangiger Politiker, doch vor Ort hat sich die Sicherheitslage für die Menschen kaum verbessert. Sowohl die Gewalt als auch das Leiden Hunderttausender Menschen in Darfur gehen weiter - jeden Tag", sagte Ton Koene, Programmleiter für die Krisenregion Darfur.

Untersuchungen, die Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen Monaten durchgeführt hat, zeigen, dass Gewalteinwirkung eine der Haupttodesursachen bei Menschen über fünf Jahren ist. Zudem wirken sich Vertreibung, prekäre Lebensumstände und Nahrungsmittelengpässe sehr negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Haupttodesursachen durch Krankheit sind Durchfall, Atemwegsinfektionen und Malaria. All diese Erkrankungen sind vermeidbar und darauf zurückzuführen, dass die Menschen keine angemessenen Unterkünfte haben, in schrecklichen sanitären Verhältnissen leben und nicht genügend sauberes Trinkwasser erhalten.

Das Programm in Darfur ist für Ärzte ohne Grenzen das größte der vergangenen Jahre. Die Organisation stößt mit ihren derzeitigen Aktivitäten an die Grenzen ihrer Kapazität. Mehr als 250 internationale und 2.500 sudanesische Mitarbeiter erreichen etwa 780.000 Vertriebene und Flüchtlinge in Darfur und im benachbarten Tschad.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Christiane Löll, Tel: 030-22 33 77 00