Niger

Unterernährte Kinder in Niger: Hilfsmaßnahmen reichen bei weitem nicht aus

Berlin, 29. Juni 2005. In Niger leiden nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen weiterhin zehntausende Kinder an schwerer Unterernährung. Obwohl der Nahrungsmittelengpass lange absehbar war, verzögern sich die Hilfsleistungen weiter. Untersuchungen der Organisation in Dörfern nördlich von Maradi und Tahoua haben ergeben, dass die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren seit zwei Monaten über der Notfallschwelle liegt.

"Tausende von Leben könnten in Niger und anderen Regionen der Sahelzone gerettet werden, wenn die Hilfe umgehend verstärkt würde", sagte Adrio Bacchetta, Geschäftsführer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation fordert die unentgeltliche Verteilung von Lebensmitteln - davon ein Teil auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten. Zudem ist die kostenlose medizinische Versorgung von Kindern unter fünf Jahren sowie die sofortige Bereitstellung von weiterer Nothilfe durch andere Organisationen nötig.

In den Provinzen Maradi und Tahoua hat Ärzte ohne Grenzen seit Januar 2005 mehr als 9.000 Kinder in Ernährungszentren betreut. Die Zahl der Patienten nimmt weiter zu. Im Juni wurden mehr als 1.000 Kinder wöchentlich in die Programme in Maradi, Dakoro, Keita und Tahoua aufgenommen. Rund vier Monate vor der nächsten Ernte steht die kritischste Phase noch bevor. Zwischen Juni und Oktober haben Erkrankungen wie Malaria und Durchfall während der Regenzeit ihren Höhepunkt. Zugleich werden sich die verbleibenden Nahrungsmittelreserven erschöpfen. Dies kann für die bereits durch Mangelernährung geschwächten Kinder tödlich sein.

Die Vorkehrungen für einen Nahrungsmittelengpass sind von der Regierung in Niger und den Geberländern festgesetzt worden. Theoretisch verpflichten sie sich, der Bevölkerung mit unentgeltlichen Nahrungsmitteln beizustehen. Die Situation wurde bereits im Oktober 2004 als kritisch erkannt. Bis heute jedoch ist die Nahrungsmittelhilfe unzureichend und muss überwiegend von der Bevölkerung bezahlt werden, obwohl der Premierminister von Niger Anfang Juni eine kostenlose Verteilung zugesagt hatte.

Ende Juni haben Länder wie Algerien, Libyen und die Vereinigten Arabischen Emirate Nahrungsmittel für 1,6 Millionen Frauen und Kinder kostenlos bereitgestellt. Diese Aktion kann aber nur nachhaltig sein, wenn die Geberländer zusätzliche Tonnen Nahrungsmittel liefern.

Ärzte ohne Grenzen bereitet sich darauf vor, in diesem Jahr 20.000 mangelernährte Kinder in Niger zu betreuen, doppelt so viele wie im Vorjahr. Diese Nahrungshilfeaktion ist eine der größten von Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen 30 Jahren.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Christiane Löll, 030/22 33 77 00