Tuberkulose-Experten: Entwicklung von neuen Medikamenten muss dringend beschleunigt werden

New York/Berlin, 12. Januar 2007. Gemeinsam mit anderen Experten hat Ärzte ohne Grenzen am Freitag die schnellere Entwicklung neuer Tuberkulose-Medikamente angemahnt. "Wir brauchen mehr Kapazitäten für klinische Studien, schnellere Wege, diese durchzuführen und Möglichkeiten zur Nutzung wichtiger in der Entwicklung befindlicher Medikamente", sagte Tido von Schön-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen auf einem internationalen Symposium in New York. "Um wirkliche Veränderungen zu erzielen, sind außerdem deutlich mehr Finanzmittel und politischer Wille nötig."

An Tuberkulose sterben jährlich fast zwei Millionen Menschen - vor allem, weil es an geeigneten Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten fehlt. Das jüngste Tuberkulose-Medikament zur Standardbehandlung ist rund 40 Jahre alt. Im Gegensatz dazu wurde seit Ausbruch der Immunschwächekrankheit HIV/Aids vor 25 Jahren jährlich etwa ein neues Medikament gegen die Infektionskrankheit entwickelt. Keines der Tuberkulose-Medikamente, die derzeit in der Entwicklung sind, wird die Therapiemöglichkeiten in naher Zukunft deutlich verbessern, und gewaltige Finanzierungslücken verhindern die Entwicklung neuer Präparate bis zur klinischen Studienreife.

"Wir lassen Tuberkulose-Kranke im Stich", kritisierte von Schön-Angerer. Die Diagnose und Behandlung von Tuberkulose ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen weltweit. Die multiresistente und neuerdings auch noch die extrem resistente Form der Tuberkulose (XDR-TB) verschlechtern die Situation noch, insbesondere in Gegenden mit hoher HIV-Prävalenz. "Der Bedarf an neuen Tests und Medikamenten könnte nicht größer sein. Wir dürfen keine Zeit verlieren", forderte der Mediziner.

An dem zweitägigen Symposium in New York nahmen mehr als 100 Tuberkulose-Spezialisten, Medikamentenentwickler, politische Entscheidungsträger und Geldgeber teil. Veranstaltet wurde es von Ärzte ohne Grenzen mit der Unterstützung des Howard P. Milstein and Weill Cornell Medical College’s Abby und des Howard P. Milstein Program in Chemical Biology.

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 17.000 TB-Patienten in mehr als 100 Projekten in 44 Ländern.
Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel , Tel.: 030-22 33 77 00