Tschetschenien: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Angriff auf humanitäre Helfer

Amsterdam/Berlin, 11. Januar 2001. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verurteilt aufs Schärfste den Angriff auf einen Konvoi humanitärer Hilfsorganisationen und die Gefangennahme eines Mitarbeiters der Organisation am vergangenen Dienstag in Tschetschenien. Aufgrund dieses Zwischenfalls hat Ärzte ohne Grenzen die Projekte in Tschetschenien aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Seit Aufnahme der Tätigkeit in Tschetschenien hat Ärzte ohne Grenzen immer mit der Genehmigung sowohl der zivilen als auch der militärischen Behörden gearbeitet. Die Mitarbeiter der Organisation arbeiten jedoch nicht unter bewaffnetem Schutz, weil dies den humanitären Prinzipien der Organisation, insbesondere dem Prinzip der Unabhängigkeit, widerspricht. Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen wurde sogar öffentlich von dem russischen General Manilov anerkannt, der anlässlich einer Konferenz im Dezember 2000 in Berlin zu Gast war.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Krankenhäuser, Entbindungsstationen und Apotheken in ganz Tschetschenien, stellt medizinisches Gerät zur Verfügung und baut chirurgische Einrichtungen sowie Gesundheitsposten wieder auf. Daneben leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe für die Tschetschenen, die in den Nachbarländern Schutz suchen. Dort stellt die Organisation Nahrungsmittel, medizinische Hilfsgüter und Unterkünfte bereit.

Ärzte ohne Grenzen ist eine internationale Hilfsorganisation, deren Ziel es ist, medizinische und humanitäre Nothilfe für Menschen zu leisten, die durch (Bürger-) Kriege oder Naturkatastrophen in Not geraten. Ärzte ohne Grenzen gewährt diese Hilfe allen Opfern, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, ihrer politischen und religiösen Überzeugungen. Die Organisation arbeitet unabhängig und finanziert sich größtenteils aus privaten Spenden. 1999 wurde die Organisation für ihr weltweites humanitäres Engagement mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Ärzte ohne Grenzen hatte nach dem Wiederaufflammen des Tschetschenien-Konflikts Ende 1999 in Inguschetien damit begonnen, Hilfe für die vertriebene tschetschenische Bevölkerung bereitzustellen. Im Februar 2000 erhielt die Organisation erneut Zugang zu Tschetschenien und startete Hilfsprojekte für die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00