Tschad

Tschad: Lage der sudanesischen Flüchtlinge spitzt sich zu - Internationale Gemeinschaft muss sofort handeln

Berlin, 11. Mai 2004. Die Lage der sudanesischen Flüchtlinge im Tschad spitzt sich nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen dramatisch zu. Hunger und Krankheiten bedrohen das Leben Zehntausender Menschen. Die Flüchtlingslager sind überfüllt, Lebensmittel- und Wasservorräte sind völlig unzureichend. Zudem gibt es weiterhin gewalttätige Angriffe sudanesischer Milizen in der Grenzregion, die die Flüchtlinge bedrohen. Angesichts der eskalierenden Krise appelliert Ärzte ohne Grenzen an die Internationale Hilfsgemeinschaft, sofort im Sudan und im Tschad zu handeln.

Obwohl das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und Nichtregierungsorganisationen seit Monaten Hilfe im Tschad leisten, verschlechtert sich die Lage der Flüchtlinge dramatisch. "Wir haben seit Januar wiederholt mehr Hilfe gefordert, aber es hat sich nur wenig getan. Die Gesundheit der Flüchtlinge verschlechtert sich, weil wir mehr Lebensmittel brauchen, mehr Wasser und Unterkünfte, mehr Helfer vor Ort", sagte Donatella Massai, Projektleiterin im Tschad. "Falls nicht sofort drastische Maßnahmen ergriffen werden, droht die Situation zu eskalieren - insbesondere wegen der bevorstehenden Regenzeit", so Massai.

Unterernährung ist ein zunehmendes Problem. Ärzte ohne Grenzen zufolge wurden Mitte April wöchentlich drei bis vier Kinder mit schwerer Unterernährung in das Ernährungszentrum in Iriba aufgenommen. Zurzeit liegt die Zahl der Neuaufnahmen bei 25 Kindern pro Woche. Paradoxerweise ist die Ernährungslage für viele Flüchtlinge innerhalb der Lager sogar schlimmer als außerhalb. Die Kapazitäten der Flüchtlingslager sind bereits weit überschritten. Einige sind für 6.000 Menschen ausgelegt, gewähren aber mittlerweile der doppelten Anzahl Unterschlupf. Die Nahrungsmittelversorgung reicht daher nicht aus.

Ebenso dramatisch steht es um die Wasserversorgung: Tausende von Flüchtlingen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In den Krankeneinrichtungen in Tine, Birak und Iriba verzeichnet Ärzte ohne Grenzen eine steigende Zahl von Patienten mit blutigen Durchfällen. Die Lage ist äußerst gefährlich, besonders für die vielen Kinder und Erwachsenen, die bereits an Unterernährung leiden. Verschärft wird dieses Problem durch die Tatsache, dass die Sanitäranlagen meist völlig unzureichend sind. In einem der Lager müssen sich jeweils 400 Flüchtlinge eine Latrine teilen. Damit ist der internationale Standard von maximal 20 Personen pro Latrine um das 20fache überschritten.

Zehntausende Flüchtlinge, die aus dem Grenzgebiet noch nicht in die weiter im Landesinneren des Tschad liegenden Flüchtlingslager umgesiedelt wurden, sind weiterhin der Gefahr von gewalttätigen Überfällen durch sudanesische Milizen ausgesetzt. Die Milizen überqueren die Grenze vom Sudan in den Tschad, um die Flüchtlinge auszuplündern und Vieh zu stehlen. Viele Flüchtlinge werden dabei verwundet oder gar getötet. Sie sind diesen Angriffen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen völlig schutzlos ausgeliefert.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00