Tschad

Tschad: Ärzte ohne Grenzen bekämpft Masern-Ausbruch

N'Djamena/Berlin, 29. April 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bekämpft im Tschad eine Masern-Epidemie. Der Ausbruch der Infektionskrankheit betrifft vor allem die Hauptstadt N’Djamena und drei Provinzen im Süden und Osten des afrikanischen Landes. Bislang wurden mehr als 6.000 Krankheits- und 115 Todesfälle gemeldet. Ärzte ohne Grenzen führt bei einem Nothilfeeinsatz Impfkampagnen durch und behandelt Masernpatienten. Eine weitere Ausbreitung muss dringend verhindert werden.

Allein in der Hauptstadt N’Djamena wurden im Rahmen dieser Epidemie 3.400 Masernfälle bekannt. Im Zeitraum von Januar bis April 2005 waren dort so viele Erkrankungen zu verzeichnen wie im gesamten Jahr 2004.

Masern sind hoch ansteckend und können andere Infektionen nach sich ziehen, zum Beispiel der Atemwege. Dies kann zu schweren Komplikationen und zum Tod führen. Im Gegensatz zu Ländern wie dem Tschad gehört die Immunisierung gegen Masern in Industrieländern zu den üblichen Schutzimpfungen für Kinder. Neben dem aktuellen Masernprogramm unterhält Ärzte ohne Grenzen im Tschad auch ein Malariaprojekt und ein chirurgisches Programm im Distrikt Bongor. Zudem leisten die Mitarbeiter an der Grenze zum Sudan Hilfe für die Flüchtlinge aus der Krisenregion Darfur.

Zusammen mit lokalen Behörden und dem Gesundheitsministerium startete Ärzte ohne Grenzen eine erste Impfkampagne, bei der 40.000 Kinder unter fünf Jahren immunisiert werden sollen. "Durch die Impfaktion wird die Sterblichkeitsrate gesenkt und die Verbreitung der Epidemie aufgehalten", sagt Landeskoordinator Wim Fransen.

Bereits Anfang April hatte Ärzte ohne Grenzen 300 Kilometer südlich von N’Djamena, im Bousso-Distrikt, eine sehr niedrige Impfrate unter einer verstreut lebenden nomadischen Bevölkerung ausgemacht. Dort stellen die Teams jetzt medizinische Versorgung und Medikamente für 2.300 Masernfälle bereit.

"Wir müssen jetzt Daten sammeln, um festzustellen, ob der Masernausbruch bereits den Höhepunkt erreicht hat oder nicht", sagt Kate Alberty. Die Epidemiologin ist im Auftrag des gemeinnützigen Forschungsinstitut Epicentre im Tschad, das eng mit Ärzte ohne Grenzen zusammenarbeitet. "Dadurch können wir gefährdete Gebiete ausfindig machen, und feststellen, welche Altersgruppe am stärksten betroffen ist. Entsprechend können wir anschließend unsere Impfkampagnen planen."

Teams von Ärzte ohne Grenzen in N’Djamena behandeln Patienten in fünf Gesundheitszentren und überweisen schwere Fälle in zwei Krankenhäuser der Stadt. Die Behörden im Tschad haben bekannt gegeben, dass die Behandlung ab sofort kostenfrei ist und stellen in den Gesundheitszentren Medikamente zur Verfügung.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030-22 33 77 00