Laos

Thailand zwingt Hunderte Hmong-Flüchtlinge gewaltsam zur Rückkehr nach Laos - Ärzte ohne Grenzen fordert sofortigen Stopp und Zugang zu den Flüchtlingen

Bangkok/Berlin, 25. Juni 2008. Etwa 800 ethnische Hmong-Flüchtlinge aus Laos wurden am Sonntag, dem 22. Juni, von der thailändischen Regierung gewaltsam zur Rückkehr nach Laos gezwungen. Die thailändischen Behörden haben öffentlich erklärt, dass sie in den kommenden Tagen weitere der verbleibenden 6.700 Flüchtlinge des Huai Nam Khao Camps in Thailands Provinz Petchabun nach Laos zurückschicken werde. Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierungen von Thailand und Laos dazu auf, die Zwangsrückführungen sofort zu stoppen. Beide Regierungen sollten unabhängigen Beobachtern den Zugang zu den Zwangsrückgeführten in Laos erleichtern und den Flüchtlingen in thailändischen Lagern den Zugang zu angemessener medizinischer und humanitärer Hilfe ermöglichen.

Gleichzeitig ruft Ärzte ohne Grenzen die Vereinten Nationen, die Gemeinschaft der Südostasiatischen Nationen und die Regierungen von Frankreich, den Vereinigten Staaten und China dazu auf, sicherzustellen, dass Thailand und Laos dieses Problem gemäß der internationalen Standards zum Flüchtlingsschutz lösen.

Die geschätzten 800 Hmong-Flüchtlinge sind zur Rückkehr nach Laos gezwungen worden, nachdem das thailändische Militär etwa 5.000 Flüchtlinge bei einer Demonstration gegen eine Vereinbarung der Regierungen von Thailand und Laos zu ihre Rücksendung festgenommen hatte. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass nicht weniger als 1.300 Menschen nach dem Ende der Proteste in der Nähe des thailändischen Dorfes Kek Noi nicht in das Camp zurückgekehrt sind. Über ihren Verbleib ist nichts bekannt.

"Thailändische Behörden behaupten, dass die Menschen freiwillig zurückgekehrt sind, doch das ist schwer zu glauben", sagt Gilles Isard, Landeskoordinator in Thailand. "Familien wurden auseinander gerissen. Eine unserer Mitarbeiterinnen, die aus Laos geflüchtet war, wurde ohne ihre Kinder zurückgeschickt. Und wir wissen von anderen ähnlichen Fällen. Viele der Flüchtlinge haben große Angst davor, nach Laos zurückzukehren. Unter den Vermissten sind auch Hmong-Flüchtlinge, die Ärzte ohne Grenzen wegen ihrer Traumata behandelt hat, die Gewalt und Verfolgung in Laos hervorgerufen haben. Diese Menschen vertrauen der Regierung in Laos nicht und fordern Sicherheitsgarantien bevor sie zurückgehen."

Den international anerkannten und grundlegenden Rechten zum Schutz von Flüchtlingen entsprechend kann eine Heimkehr von Personen, die sich um ihre Sicherheit sorgen, nicht erzwungen werden. Auch müssen bei einer Rückkehr Sicherheitsgarantien gegeben werden, wie zum Beispiel die Bereitstellung angemessener Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen hilft den Hmong-Flüchtlingen in dem Dorf Huai Nam Khao in der Provinz Petchabun seit Juli 2005. Die Mitarbeiter bieten den bisher fast 8.000 Flüchtlingen medizinische und psychologische Hilfe, Nahrung, Wasser und Hilfsgüter. Ärzte ohne Grenzen ist darauf vorbereitet, auch die Rückkehrer in Laos zu versorgen, wenn dem Team der Zugang gewährt wird.

Pressestelle, Svenja Kühnel, 030 - 22 33 77 00