Sudan

Tausende Vertriebene in Darfur ohne ausreichend Wasser - Ärzte ohne Grenzen erhält keine Erlaubnis Teams zu verstärken

Khartum/Berlin, 2. Juli 2014. Extrem schlechte Lebensbedingungen gefährden die Gesundheit von rund 15.000 Vertriebenen im Lager El Sereif im Süden Darfurs/Sudan. Die zuletzt dort angekommenen 4.500 Menschen haben kaum etwas zu trinken und ansteckende Krankenheiten wie Hepatitis E breiten sich aus. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen will die Teams vor Ort verstärken. Die neuen Mitarbeiter erhalten jedoch keine Erlaubnis, an den Projektort zu reisen und stecken in der Hauptstadt Khartum fest.

Das Lager El Sereif liegt in der Nähe von Nyala, der Hauptstadt des Bundesstaats Darfur. Im März und April dieses Jahres suchten hier viele neue Vertriebene Schutz. Ärzte ohne Grenzen leistet seit August 2013 in dem Lager medizinische Nothilfe. Bereits vor dem neuen Zustrom von Vertriebenen mussten die Menschen im Lager mit weniger als 5 Liter Wasser pro Person am Tag auskommen, obwohl das offizielle Minimum in Notsituationen bei 15 Litern liegt. Die Neuankömmlinge haben noch weniger Wasser zur Verfügung.

Die meisten Behandlungen, die das Team von Ärzte ohne Grenzen im Lager vornimmt, sind auf die schlechten Lebensbedingungen zurückzuführen – verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene. „Hier droht eine Katastrophe“, sagt Cyril Bertrand, Einsatzkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Wir brauchen dringend mehr Mitarbeiter, die Erfahrung im Umgang mit Notsituationen haben. Wir haben deshalb drei erfahrene Mitarbeiter entsendet und verstehen nicht, weshalb das Team nach seiner Ankunft in Khartum keine Erlaubnis erhalten hat, in das Lager weiterzureisen. Die Reisegenehmigungen werden blockiert, obwohl Treffen mit den höchsten Vertretern der betreffenden Behörden stattgefunden hatten.“

Besonders besorgniserregend ist der aktuelle Ausbruch der Virusinfektion Hepatitis E, die durch Wasser übertragen wird. Die Krankheit ist potentiell tödlich – es gibt keine spezifische Therapie, nur die Symptome können behandelt werden. Von Anfang des Jahres bis zum 21. Juni wurden in El Sereif bereits mehr als 400 Hepatitis-E-Fälle registriert. Angesichts der extrem schlechten Lebensumstände der Vertriebenen ist eine Ausbreitung der Epidemie zu befürchten. Nur eine rasche und umfassende Bereitstellung von Trinkwasser und Sanitäranlagen kann dies verhindern.

„Wir waren bei unserer Hilfe in El Sereif schon in der Vergangenheit mit administrativen Herausforderungen konfrontiert“, so Bertrand. „Angesicht der alarmierenden Umstände im Lager ist die fehlende Erlaubnis für unser Team aber unbegreiflich. Wir rufen die Behörden dazu auf, den Helfern schnellstmöglich Zugang zu gewähren, damit nicht noch mehr Menschen sterben müssen.“

Ärzte ohne Grenzen ist seit August 2013 im Vertriebenenlager El Sereif tätig und führt ambulante Behandlungen, Geburtshilfe und Impfungen durch, stellt therapeutische Nahrung für mangelernährte Kinder zur Verfügung und geht gegen den aktuellen Hepatitis-E-Ausbruch vor. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1979 im Sudan, der erste Einsatz in Darfur war 1985.

Weitere Informationen: Svenja Kühnel, 030 700 130 230, www.aerzte-ohne-grenzen.de