Syrien

Syrien: Ärzte ohne Grenzen kritisiert ungleiche Verteilung der humanitären Hilfe

Paris/Berlin, 30. Januar 2013. Die internationale Hilfe für Syrien verteilt sich nicht gleichmäßig auf die von der Regierung und von der Opposition kontrollierten Gebiete. Während die von der Regierung kontrollierten Gebiete den Großteil der Hilfeleistungen erhalten, entfällt auf die Gebiete der Opposition nur ein minimaler Anteil. Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert die Geldgeber auf, grenzübergreifende humanitäre Hilfe zu unterstützen, um auch die Menschen in den von der Opposition gehaltenen Regionen zu erreichen.

Heute treffen sich Geldgeber zu einer Konferenz in Kuwait City, um 1,5 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfeleistungen zugunsten der Opfer des syrischen Konflikts bereitzustellen. Bis jetzt wurden Hilfseinsätze des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) und der UN-Agenturen hauptsächlich von Damaskus aus und in Partnerschaft mit dem syrischen Roten Halbmond durchgeführt. Der syrische Rote Halbmond ist die einzige Hilfsorganisation, die die syrische Regierung zulässt. Folglich erreicht nur ein kleiner Teil der internationalen Hilfe die von der Opposition kontrollierten Gebiete. Derzeit ist die neutrale Hilfe sowohl auf beiden Seiten der Front als auch für syrische Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern unzureichend.

"Die gegenwärtig geleistete Hilfe reicht nicht, um auf die zusehends schlechteren Lebensbedingungen der Menschen in Syrien einzugehen", sagt Dr. Marie-Pierre Allié, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen in Paris. "Die Teilnehmer der Konferenz in Kuwait City müssen die Rechtmäßigkeit von grenzübergreifenden humanitären Einsätzen für Syrien anerkennen und ihnen die erforderliche finanzielle, administrative und logistische Unterstützung gewähren."

Seit Juni 2012 hat die bewaffnete syrische Opposition ihren Einfluss auf große Teile des Landes ausgeweitet und verstärkt. Die genaue Zahl der Menschen in den von der Opposition gehaltenen Regionen kann nicht ermittelt werden. Doch die starke Präsenz der Opposition sowohl in den Städten, als auch im ländlichen Raum von Damaskus, Aleppo und Idlib weist darauf hin, dass mindestens einer von drei Syrern (etwa sieben Millionen Menschen) in Gebieten außerhalb der Autorität der Regierung lebt. Die Menschen in diesen Regionen organisieren die Hilfe für die Zivilbevölkerung selbst, unterstützt von Syrern in der Diaspora, den Nachbarländern und von Solidaritäts-Netzwerken. Diese Hilfe ist eindeutig unzureichend. Wesentliche Hilfsgüter wie Unterkünfte, Decken, Treibstoff, Mehl sowie Säuglingsnahrung sind Mangelware. Die inoffiziellen Gesundheitsdienste sind Zielscheibe staatlicher Kräfte und ringen darum, die Bedürfnisse der vielen Verwundeten und chronisch Kranken zu erfüllen.

Nur wenige Hilfsorganisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, unterstützen die Zivilbevölkerung in den von der Opposition kontrollierten Gebieten. Seit 2011 stellt Ärzte ohne Grenzen medizinische Geräte und Medikamente für syrische Ärzte zur Verfügung, die Verwundete behandeln. In den vergangenen sechs Monaten haben die Mitarbeiter die Hilfe weiter ausgedehnt. Im Norden und Nordwesten des Landes eröffnete die Organisation drei Krankenhäuser, in denen seitdem mehr als 900 Operationen durchgeführt worden sind. Dennoch ist diese Unterstützung nicht ausreichend angesichts des Ausmaßes der Bedürfnisse der Menschen in Syrien.