Tschad

Südsudan: Tote und Verletzte nach Wiederaufflammen von Gewalt

Amsterdam/Berlin, 23. Mai 2006. Im Südsudan sind bei gewaltsamen Auseinandersetzungen bewaffneter Gruppen zahlreiche Zivilisten getötet und verletzt worden. Andere flohen aus ihren Dörfern. Laut Ärzte ohne Grenzen begannen die Kämpfe in den Provinzen Upper Nile und Jonglei Anfang April. Wegen der angespannten Sicherheitslage hat die internationale Hilfsorganisation einige ihrer internationalen Mitarbeiter zeitweise aus der Region evakuiert.

Am 10. April griffen bewaffnete Milizen das Dorf Ulang an, in dem Ärzte ohne Grenzen eine Gesundheitsstation betreibt. Bei dem Angriff starben 31 Menschen, mehrere Dutzend wurden verletzt. 15 von ihnen wurden von Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus in der nahegelegenen Stadt Nasir behandelt.

Wegen immer wieder aufflammender Kämpfe und Gewaltdrohungen wurden einige internationale Mitarbeiter der Organisation aus Nasir und den Orten Wudier, Lankien und Pieri evakuiert. In Pieri mussten auch die Patienten, unter ihnen 120 Tuberkulosekranke, fliehen. Die medizinische Ausrüstung, Medikamente und Nahrungsmittel für die Patienten wurden geplündert und das Gesundheitszentrum praktisch zerstört.

"Wir sind sehr beunruhigt über die steigende Zahl von gewaltsamen Übergriffen", sagt Landeskoordinator Christoph Hippchen. "Denn das bedeutet, dass die für die Menschen in der Region ohnehin nicht ausreichende humanitäre Hilfe noch weniger geleistet werden kann."

Nach Jahrzehnten des Konflikts gab die Unterzeichnung des Friedensabkommens im Januar 2005 den Menschen im Südsudan neue Hoffnung. In Teilen Upper Niles und Jongleis lebt die Bevölkerung wegen der wiederaufflammenden Kämpfe jedoch heute unter den gleichen schlechten Bedingungen wie zu Kriegszeiten.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet derzeit mit 50 internationalen und 400 sudanesischen Mitarbeitern in sechs Einrichtungen in der von den Kämpfen betroffenen Region. Im Jahr 2005 führten die Mitarbeiter dort mehr als 294.000 Behandlungen durch.

Ärzte ohne Grenzen gehört zu den wenigen Akteuren, die medizinische Hilfe in Upper Nile und Jonglei anbieten. In diesen Provinzen sind Malaria, Tuberkulose und die tödliche Tropenkrankheit Kala Azar weit verbreitet. In einigen Gesundheitseinrichtungen behandelt einheimisches Personal die Patienten zwar trotz der Kämpfe weiter, insgesamt ist der Zugang zu medizinischer Versorgung durch die Gewaltausbrüche jedoch drastisch eingeschränkt.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00