Sudan

Südsudan: Kritische Ernährungslage in mehreren Regionen der Provinz Bahr el Gazal

Berlin, 19. Juli 2005. In einigen Regionen im Süden des Sudans ist die Ernährungslage nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisch. Die Organisation betreut in der Provinz Bahr el Gazal eine wachsende Zahl mangelernährter Kinder. Die Lage spitzt sich aufgrund magerer Ernten und fehlender Regenfälle zu. Obwohl das Welternährungsprogramm (WFP) Ende 2004 vor einer extremen Hungerperiode in diesem Jahr warnte, reicht die Hilfe bei weitem nicht aus. Die Nahrungsmittelvorräte sind seit Monaten erschöpft, die Lage wird sich bis zur nächsten Ernte im September weiter verschlimmern.

In einigen Regionen von Bahr el Gazal wurde die Lebensmittelknappheit durch die Ankunft von Tausenden von Sudanesen verstärkt, die nach den kürzlich geschlossenen Friedensabkommen heimgekehrt sind. Allein in der Region Ost-Aweil müssen 87.000 Rückkehrer ernährt werden. Leider wurde aber die Nahrungsmittelhilfe der Situation nicht angepasst.

Die Organisation stellt in ihren Ernährungszentren in der Region Ost-Aweil eine massive Erhöhung der Zahl an unterernährten Patienten fest, die sehr Besorgnis erregend ist. "Jede Woche werden bis zu 60 schwer mangelernährte Kinder aufgenommen, die ohne sofortige Hilfe sterben würden", sagt Sally Stevenson, Programmleiterin der Schweizer Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Laut einer im Juni erstellten Studie des epidemiologischen Forschungsinstituts Epicentre sind mehr als ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren unterernährt, vier Prozent von ihnen sind schwer unterernährt. Insgesamt sind in dieser Gegend rund 7.000 Kinder betroffen.

Die Hilfeleistungen von Ärzte ohne Grenzen werden angesichts dieser Krise weiter ausgebaut. Die Organisation beginnt eine Nahrungsmittelverteilung für 28.000 Menschen in den Regionen von Ost-Aweil und Tonj. Obwohl im Süden des Sudans nach mehr als 20 Jahren Krieg nun Frieden eingekehrt ist und die Hungerperiode absehbar war, müssen die Menschen weiterhin in dramatischen Umständen leben.

In der Region Tonj hat Ärzte ohne Grenzen bisher bereits 1.500 mangelernährte Kinder behandelt. "Wir haben unsere Hilfe massiv aufgestockt, können aber nicht die ganze Region abdecken. Wir verteilen im Moment ergänzende Lebensmittelrationen an 7.600 Kinder, die unter fünf Jahre alt sind", erklärt Stevenson. "Bis heute hat trotz der kritischen Lage keine umfassende Nahrungsmittelverteilung stattgefunden. Das Welternährungsprogramm plante im Frühling Verteilungen für die Region Tonj, diese wurden aber nur zum Teil realisiert und reichen nicht aus. Das Programm hat uns mitgeteilt, dass nun eine Verteilung erst wieder für Ende Juli geplant ist."

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030 / 22 33 77 00