Südsudan

Südsudan: Ärzte ohne Grenzen behandelt nach brutaler Gewalt Dutzende Schwerverletzte - ein Mitarbeiter der Organisation getötet

Juba/Berlin, 24. Januar 2012. Im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei leiden Zivilisten weiterhin unter Kämpfen zwischen verschiedenen Volksgruppen. Auch drei Wochen nach dem gewaltsamen Angriff auf die Stadt Pibor und die umliegenden Dörfer kommen Verwundete im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Pibor an. Tausende verstecken sich noch immer aus Angst im Busch. Die medizinischen Teams der Organisation behandeln schwere Wundinfektionen, von denen einige bereits mehrere Wochen alt sind.

Ärzte ohne Grenzen ist schockiert über den Tod von Allan Rumchar, der als Wachmann für die Organisation gearbeitet hat, und seiner Frau infolge des Angriffs auf Pibor. Ärzte ohne Grenzen ist darüber hinaus äußerst besorgt um das Schicksal von 25 weiteren südsudanesischen Mitarbeitern, die drei Wochen nach dem Angriff immer noch vermisst werden.

Seitdem Ärzte ohne Grenzen am 7. Januar die medizinische Arbeit in Pibor wieder aufnehmen konnte, haben die Mitarbeiter 47 Menschen mit Schussverletzungen behandelt, unter ihnen 16 Frauen und acht Kinder. Weitere 43 Patienten haben Stichwunden oder Verletzungen durch Schläge erlitten oder haben sich auf der Flucht Verletzungen zugezogen.

Die Gewalt in Pibor fügt sich ein in eine Serie von Angriffen auf Zivilisten. Als Reaktion auf die Attacke kam es am 11. Januar zu einem Angriff auf das Dorf Wek im Norden von Jonglei. Ärzte ohne Grenzen evakuierte 13 Schwerverletzte, die dringend operiert werden mussten, mit dem Flugzeug in das Krankenhaus der Organisation in Nasir.

Schon im August 2011 hatte es in derselben Region einen Angriff auf die Stadt Pieri und die umliegenden Dörfer gegeben, in dessen Verlauf zahlreiche Bewohner getötet wurden. In den vergangenen sechs Monaten haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Lankien, Pieri und Yuai 185 schwerverletzte Gewaltopfer behandelt. "Wir beobachten eine Spirale der Gewalt im gesamten Norden des Bundesstaats Jonglei", erklärt Jose Hulsenbek, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. "Für die Bewohner in dieser Gegend des Südsudans gehört die Angst davor, getötet zu werden oder fliehen zu müssen, zum Alltag." Es ist ein besorgniserregendes Muster der Attacken, dass die Bewohner und ihre knappen Ressourcen gezielt angegriffen wurden. Die bewaffneten Gruppen aller Parteien haben Krankenhäuser, Gesundheitsstationen und Wasserstellen zerstört.

Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt um die Gesundheit und das Wohlergehen der Geflohenen, die noch immer nicht zurückgekehrt sind. Sie verstecken sich weiterhin im Busch, haben kaum Zugang zu Nahrungsmitteln und sind Krankheiten schutzlos ausgeliefert. Die Hälfte der Patienten in Pibor, die seit der Rückkehr des Teams behandelt wurden, hat Malaria. Während der Flucht konnten sich die Bewohner nicht vor Mücken schützen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1983 im Gebiet des heutigen Südsudan. Zurzeit gibt es 15 Projekte in acht Bundesstaaten des Landes. In Jonglei arbeiten Teams der Organisation an sechs Standorten und versorgen eine Bevölkerung von 285.000 Menschen. 2011 wurden drei Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen bei Gewaltausschreitungen zerstört oder geplündert.