Südafrika

Weg frei für bezahlbare Aids-Medikamente - Ärzte ohne Grenzen begrüßt Entscheidung der Wettbewerbskommission gegen Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim und GlaxoSmithKline

Berlin, 17. Oktober 2003 - Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen begrüßt die bislang beispiellose Entscheidung der südafrikanischen Wettbewerbskommission vom 16. Oktober 2003. Das Gremium erklärte zwei Pharmaunternehmen für schuldig, unter Ausnutzung ihrer Patentrechte überhöhte Preise für Medikamente zur Behandlung von HIV/Aids zu erheben und damit den Zugang zu den lebensverlängern-den Präparaten zu verhindern. In Südafrika sterben täglich 600 Menschen an HIV/Aids.

Vor einem Jahr hatte u.a. die südafrikanische Aids-Aktivistengruppe TREATMENT ACTION CAMPAIGN (TAC) Anklage gegen die Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim (BI) und GlaxoSmithKline (GSK) erhoben, um die lebensverlängernde Behandlung für HIV/Aids-Patienten durch den Einsatz von Generika erschwinglich zu machen.

Das deutsche Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim hat auf die Entscheidung der Wettbewerbskommission bislang nicht reagiert. "Boehringer Ingelheim will dieses Problem offenbar einfach aussitzen. Wir werden das nicht akzeptieren, denn hier geht es um das Leben von Zehntausenden Menschen", sagte Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.

Zudem ist die Entscheidung der Wettbewerbskommission laut Ärzte ohne Grenzen Vorbild und Modell für andere Entwicklungsländer, die öffentliche Gesundheit und den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten effektiv zu fördern.

"Die Entscheidung der Wettbewerbskommission setzt ein klares Signal, dass Patente der Behandlung von HIV/Aids in Südafrika zukünftig nicht mehr im Wege stehen werden", sagte Dr. Eric Goemaere, Leiter des HIV/Aids-Projektes von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. Laut Goemaere gibt es für die südafrikanische Regierung nun auch keinen Grund mehr, die Behandlung der 500.000 HIV-Infizierten, die derzeit eine Therapie brauchen, zu verzögern. Denn trotz Preissenkungen von Markenherstellern sind Generika noch immer die kostengünstigsten Medikamente für die HIV/Aidstherapie. Darüber hinaus trägt der Wettbewerb durch Generika maßgeblich dazu bei, Medikamentenpreise zu senken.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00