Südafrika

Südafrika: Pharmazeutische Industrie behindert Zugang zu preisgünstigen Medikamenten

Pretoria/Berlin, 1. März 2001. In einem offenen Brief, der weltweit an 39 pharmazeutische Unternehmen gerichtet ist, fordern Ärzte ohne Grenzen und OXFAM die Arzneimittelhersteller auf, ihre Klage gegen die Umsetzung eines Gesetzes in Südafrika, das den besseren Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten ermöglicht, unverzüglich und bedingungslos fallen zu lassen. Am 5. März wird der Prozess vor dem Obersten Gerichtshof in Pretoria eröffnet.

Die südafrikanische Regierung steht heute vor der Herausforderung, auf die weltweit höchste Infektionsrate reagieren zu müssen und eine Versorgung der über vier Millionen HIV-Infizierten Menschen zu gewährleisten. Hierzu wurde eine Gesetzgebung geschaffen, die aus einem besonderen öffentlichen Interesse heraus im Falle eines gesundheitlichen Notstandes Maßnahmen, wie Parallelimport, Zwangslizenzierung oder Substitution bestimmter Medikamente durch Nachahmerpräparate ermöglicht.

Diese Maßnahmen stellen Schutzmechanismen dar, die im TRIPS-Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) geregelt sind und die in der Gesetzgebung der Industriestaaten selbstverständlich genutzt werden. Dennoch werden sie in Südafrika von den Pharma-Unternehmen blockiert. Ärzte ohne Grenzen und OXFAM fordern daher die EU-Kommission und die US-Regierung auf, sich hinter die südafrikanische Regierung zu stellen, damit die legalen Möglichkeiten von TRIPS genutzt und preiswerte Medikamente zur Verfügung stehen.

"Jeden Tag kommen Dutzende HIV/Aids Patienten in unsere Klinik in einem Township außerhalb von Kapstadt und suchen Hilfe, aber aufgrund der hohen Medikamentenpreise können wir nur wenige Menschen behandeln. Ich finde es empörend, dass die Pharma-Industrie dies schlicht ignoriert und stattdessen die Bemühungen der Regierung für einen besseren Zugang zu Medikamenten blockiert", erklärte Eric Goemare von Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen und OXFAM unterstützen die Aktionen von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen, die zu Prozessbeginn am 5. März zu weltweiten Kundgebungen auffordern. Ziel dieser internationalen Protestbewegung ist es, der Pharma-Industrie vor Augen zu führen, dass sie den Prozess auf dem Rücken von Patienten austragen.

Liste der 39 Pharmaunternehmen

  • The Pharmaceutical Manufacturers' Association of South Africa
  • Alcon Laboratories (S.A.) (Proprietary) Limited
  • Bayer (Proprietary) Limited
  • Bristol-Myers Squibb (Proprietary) Limited
  • Byk Madaus (Proprietary) Limited
  • Eli Lilly (South Africa) (Proprietary) Limited
  • Glaxo Wellcome (South Africa) (Proprietary) Limited
  • Hoechst Marion Roussel Limited
  • Ingelheim Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
  • Janssen-Cilag Pharmaceutica (Proprietary) Limited
  • Knoll Pharmaceuticals South Africa (Proprietary) Limited
  • Lundbeck South Africa (Proprietary) Limited
  • Merck (Proprietary) Limited
  • MSD (Proprietary) Limited
  • Novartis South Africa (Proprietary) Limited
  • Novo Nordisk (Proprietary) Limited
  • Pharmacia & Upjohn (Proprietary) Limited
  • Rhone-Poulenc Rorer South Africa (Proprietary) Limited
  • Roche Products (Proprietary) Limited
  • Schering (Proprietary) Limited
  • Schering-Plough (Proprietary) Limited
  • S.A. Scientific Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
  • SmithKline Beecham Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
  • Universal Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
  • Wyeth (Proprietary) Limited
  • Xixia Pharmaceuticals (Proprietary) Limited
  • Zeneca South Africa (Proprietary) Limited
  • Bayer AG
  • Boehringer-Ingelheim International GmbH
  • Boehringer-Ingelheim KG
  • Bristol-Myers Squibb Company
  • Byk Gulden Lomberg Chemische Fabrik GmbH
  • Dr. Karl Thomae GmbH
  • Eli Lilly and Company
  • F. Hoffman-La Roche AG
  • Merck KGaA
  • Merck & Co., Inc.
  • Rhone-Poulenc Rorer S.A.
  • SmithKline Beecham

"Dieser Prozess verdeutlicht die Heuchelei der pharmazeutischen Industrie", so Justin Forsyth von Oxfam. "Die Industrie behauptet immer wieder, dass sie allen Menschen den Zugang zu Medikamenten ermöglichen will - aber offensichtlich nur zu ihren Bedingungen. Als die südafrikanische Regierung 1998 die gesetzlichen Möglichkeiten schaffen wollte, den Zugang zu Medikamenten zu erleichtern, blockierte die Pharma-Industrie dieses Vorhaben umgehend. Der Prozess in Pretoria ist eine eindeutige Warnung der Arzneimittelhersteller an die ärmeren Länder: Spielt nach unseren Regeln oder nehmt die Folgen in Kauf."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00