Sudan

Sudan Dramatische Lage in Darfur: Hilfe völlig unzureichend

Berlin/Khartum, 21. Juni 2004. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen reichen die bisherigen Hilfsmaßnahmen im Westen des Sudans bei Weitem nicht aus, um eine von Menschenhand verursachte Hungersnot zu vermeiden. Zehntausende Menschen könnten sterben. Zudem sind die Vertriebenen in der Region Darfur weiterhin Angriffen und Vergewaltigungen durch die Milizen ausgesetzt, die auf Regierungsseite kämpfen.

Von September 2003 bis Februar 2004 kam bei Angriffen auf 111 Dörfern jeder zwanzigste Bewohner ums Leben. Die Dörfer wurden dabei dem Erdboden gleichgemacht. Dies zeigt eine von Ärzte ohne Grenzen und dem epidemiologischen Forschungsinstitut Epicentre durchgeführte Studie, die vor kurzem in der Stadt Mornay im Westen Darfurs durchgeführt wurde. Hier haben etwa 80.000 Vertriebene in Lagern Schutz gesucht. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen erwachsene Männer, doch auch Frauen und Kinder wurden getötet. Heute ist jedes fünfte Kind in den Camps schwer unterernährt. Unregelmäßige und unzureichende Nahrungsmittelverteilungen decken nicht den grundlegenden Bedarf der Menschen, die völlig geschwächt sind von Gewalt, Entbehrung und Vertreibung.

Dieselben Milizen, die zuvor die Angriffe ausgeführt haben, kontrollieren jetzt die Umgebung der Camps. Dies bedeutet, dass die Vertriebenen praktisch in den Lagern gefangen sind und in ständiger Angst leben. Immer wieder werden Männer getötet und Frauen geschlagen oder vergewaltigt, wenn sie sich auf die Suche nach Nahrung außerhalb der Lager begeben. In den vergangenen neun Wochen haben Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen 132 Verletzte behandelt, die Opfer derartiger Angriffe geworden sind.

Die Vertriebenen sind seit mehreren Monaten völlig von externer Hilfe abhängig. Doch noch immer reichen die Hilfsmaßnahmen nicht aus. Jeden Monat sterben in Mornay etwa 200 Menschen. Es gibt bislang keine Anzeichen, dass die Hilfsaktivitäten in Kürze verstärkt und damit eine menschliche Katastrophe vermieden kann.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit Dezember 2003 in Darfur. Zurzeit leisten 90 internationale und rund 2.000 sudanesische Kollegen medizinische Hilfe für mehr als 400.000 Vertriebene. Darüber hinaus sorgen die Teams für sauberes Trinkwasser, verteilen dringend benötigte Hilfsgüter und versorgen unterernährte Kinder in Ernährungszentren. Diese Aktivitäten betreffen folgende Städte: Mornay, Zalingei, Nyertiti, Kerenik, El Genina und Garsila im Westen Darfurs; Nyala und Kass im Süden und Kebkabiya im Norden Darfurs. Zusätzliche Teams arbeiten in Adre, Birak, Tine, Iriba und Guereda im Tschad, wohin Zehntausende Sudanesen geflohen sind.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Tel: 030-22 33 77 00