Sudan

Sudan: Dramatische Gesundheits- und Ernährungslage der Vertriebenen in Darfur - Ärzte ohne Grenzen fordert dringend mehr Hilfe

Berlin, 28. April 2004. Die Gesundheits- und Ernährungslage Tausender Vertriebener in der Region Darfur im Westen des Sudans verschlechtert sich nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen dramatisch. Die Organisation macht dafür das Ausbleiben von dringend benötigter Hilfe verantwortlich. Nur sofortige Unterstützung im angemessenen Rahmen kann eine Verschlimmerung der Situation verhindern.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen stellen eine dramatische Verschlechterung des Ernährungszustands der Bevölkerung, vor allem der Kinder, fest. Allein in der Stadt Mornay, wo etwa 80.000 Vertriebene leben, wurden in der vergangenen Woche 107 schwer unterernährte Kinder in das Ernährungszentrum der Organisation aufgenommen. Derzeit werden dort 333 Kinder mit schwerer Unterernährung behandelt. Darüber hinaus versorgen die Mitarbeiter 1.623 mäßig unterernährte Kinder in Mornay.

Am 15. März hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) eine allgemeine Nahrungsmittelverteilung durchgeführt, die den Bedarf von zwei Wochen decken sollte. Anfang April waren die Nahrungsmittelvorräte aber bereits aufgebraucht. Seitdem hat lediglich Ärzte ohne Grenzen in der vergangenen Woche Nahrungsmittel für 14.500 Kinder bereitgestellt. Aufgrund der massiven Wasserprobleme in Mornay liefert die Organisation zudem 550.000 Liter Trinkwasser täglich.

Um überleben zu können, sind die Menschen in Darfur dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Doch trotz internationaler Zusagen ist die Unterstützung derzeit völlig unzureichend, und die wenigen Organisationen vor Ort können den Bedarf nicht decken. In der Folge erhalten nur sehr wenige der schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Vertriebenen ausreichend Nahrungsmittel. Zudem fehlt es an Unterkünften, Trinkwasser sowie medizinischer Versorgung. Wenn bereits bestehende Zusagen nicht schnellstmöglich wahr gemacht werden, wird sich die Lage weiter verschlimmern. Denn mit Beginn der Regenzeit im Mai werden die Straßen unpassierbar und die Hilfe zusätzlich erschwert.

Auch die Gesundheitssituation verschärft sich: In der Stadt Mornay hat Ärzte ohne Grenzen 15.000 Kinder gegen Masern geimpft. In Nyertiti und Zalinge mussten die Mitarbeiter Hunderte von Kindern behandeln, die bereits an Masern erkrankt waren. Die Krankheit betrifft vor allem Kinder, die durch Unterernährung geschwächt sind, und kann mit lebensbedrohlichen Komplikationen einhergehen.

Seit Februar 2003 ist die Region Darfur Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Etwa 40 internationale und Hunderte sudanesische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten derzeit Hilfe für die Vertriebenen in der Region. Weitere Teams versorgen die sudanesischen Flüchtlinge im Tschad.

Weitere Informationen: Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00