Sudan

Sudan: Bedrohliche Lage für Vertriebene in Darfur - Ärzte ohne Grenzen fordert dringend mehr Hilfe

Paris/Berlin, 17. Februar 2004. Die Vertriebenen in der Region Darfur im Westen des Sudans befinden sich in einer äußerst bedrohlichen Lage. Die dringend benötigte Hilfe bleibt jedoch weiterhin aus. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die als eine der wenigen Nichtregierungsorganisationen in Darfur arbeitet, fordert daher mit Nachdruck ein stärkeres internationales Engagement. Zudem ist der Zugang in dieser Region für humanitäre Helfer bislang extrem eingeschränkt und muss ausgeweitet werden.

Seit rund einem Jahr ist die Region Darfur Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen, der etwa eine Million Menschen in der Provinz betrifft und bis heute die Vertreibung von rund 600.000 Menschen zur Folge hatte.

In der Stadt Mornay, in Grenznähe zum Tschad, leben seit einigen Wochen 30.000 Vertriebene. Allein in den vergangenen Tagen kamen 10.000 Menschen neu in der Stadt an. Viele von ihnen brauchen medizinische Versorgung. Unter ihnen waren zudem 50 Verwundete, die im Gesundheitszentrum von Ärzte ohne Grenzen behandelt wurden.

Aufgrund von Vertreibung und extrem schlechten Lebensbedingungen ist die Sterblichkeitsrate unter den Vertriebenen mit 2/10.000 pro Tag sehr hoch. Das Welternährungsprogramm (WFP) hat bislang nur sehr begrenzte und unangemessene Nahrungsmittelhilfe geleistet und nicht alle Orte erreicht, an denen Vertriebene Zuflucht gesucht haben.

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat an verschiedenen Orten bei 1.190 Kindern Unterernährung festgestellt, weitere 258 Kinder sind schwer unterernährt. Einige Hundert konnten in den Städten Mornay und Zalinge versorgt werden. Zudem wird dringend Wasser benötigt. Viele der Vertriebenen leben in Notunterkünften am Rand von ausgetrockneten Flussbetten.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit Dezember 2003 mit sechs internationalen und einigen Dutzend sudanesischen Mitarbeitern Hilfe für die Vertriebenen in Zalinge, Mornay und Nvertiti. Zudem wurde die Lage in Bindisi, Dereish-Garcila und Mukjar erkundet. In Zalinge und Mornay führen die Mitarbeiter täglich etwa 100 Konsultationen durch. Zudem wurden 10.865 Kinder gegen Masern geimpft und dringend benötigte Hilfsgüter wie Decken, Kanister und Seife an 1.400 Familien verteilt.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00