Sudan

Sudan: Alarmierende Ernährungslage in Darfur - Ärzte ohne Grenzen fordert mehr internationale Hilfe

Berlin, 10. März 2004. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über die Ernährungslage in der Region Darfur im Westen des Sudans. Die Organisation befürchtet, dass sich die Situation der Bevölkerung aufgrund andauernder Gewalt und Unsicherheit sowie mangelnder internationaler Hilfe weiter zuspitzen wird. Ärzte ohne Grenzen fordert mehr humanitäre Unterstützung für die Menschen in Darfur, um eine massive Zunahme von Unterernährung zu verhindern.

Im Rahmen einer Masernimpfkampagne in der Stadt Garsilla in Westdarfur haben die Mitarbeiter in den vergangenen zwei Tagen mehr als 4.900 Kinder auf ihren Ernährungszustand untersucht. Dabei stellten sie bei 111 Kindern schwere Unterernährung und bei 387 Kindern mäßige Unterernährung fest. Ärzte ohne Grenzen richtet derzeit für diese Kinder ein Ernährungszentrum in Garsilla ein.

Normalerweise hat Garsilla 4.500 Einwohner. Zurzeit leben dort zusätzlich 18.000 Vertriebene, die vor den brutalen Angriffen auf ihre Dörfer geflohen sind. Bisher haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in allen Gebieten, die sie erreichen konnten, eine ähnliche Situation festgestellt: In Deleig, einer Stadt mit 5.000 Einwohnern, befinden sich derzeit 17.000 Vertriebene. Auch in die 5.000 Einwohner zählende Stadt Um Kher sind 13.000 Menschen geflohen. Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass in anderen Gemeinden eine vergleichbare Situation herrscht.

Die Vertriebenen sind nicht in Lagern untergebracht. Sie leben vielmehr im Freien, in Schul- oder Bürogebäuden oder bei ortsansässigen Familien. Die Gemeinden unterstützen die Vertriebenen nach ihren Möglichkeiten mit Nahrungsmitteln und Überlebensnotwendigem. Doch da die Bevölkerungszahlen auf mehr als das Vierfache ihrer ursprünglichen Größe angestiegen sind, werden die Mittel zunehmend knapp.

Seit Februar 2003 ist Darfur Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen leben derzeit 700.000 Vertriebene in der Region. Darüber hinaus sind etwa 140.000 Menschen in das Nachbarland Tschad geflohen. Ärzte ohne Grenzen leistet seit Dezember 2003 als eine der wenigen internationalen Organisationen Hilfe in Darfur. Die Teams betreuen derzeit Projekte in Garsilla, Deleig, Um Kher, Mukjar, Bindisi, Zalingei, Mornei und Nyertiti. Weitere Erkundungsfahrten sind geplant.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00