Sudan

Sudan: Ärzte ohne Grenzen warnt vor drohender Hungerkatastrophe in Darfur - Bürokratische Hindernisse erschweren Hilfe

Berlin, 20. Mai 2004. In der Region Darfur im Westen des Sudans droht eine Hungerkatastrophe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Ernährungsstudie der internationalen Hilfsorga-nisation Ärzte ohne Grenzen. Die Untersuchung zeigt alarmierend hohe Unterernährungs- und Sterblichkeitsraten und eine sich rapide verschlechternde Ernährungslage. Ärzte ohne Grenzen befürchtet, dass sich die Situation weiter verschlimmern wird, wenn die dringend benötigte internationale Hilfe weiter ausbleibt.

Die Studie, die in den Provinzen Wadi Saleh und Mukjar durchgeführt wurde, zeigt, dass 21,5 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung leiden. Unter den befragten Familien sind fünf Prozent der Kinder unter fünf Jahren innerhalb der vergangenen drei Monate gestorben. Die Sterblichkeitsrate bei dieser Bevölkerungsgruppe liegt mit 5/10.000 pro Tag weit über dem Schwellenwert, der eine akute Krise kennzeichnet (2/10.000 pro Tag). Die meisten Kinder sind an Hunger, Durchfall oder Malaria gestorben. Darüber hinaus sind 60 Prozent der Todesfälle bei den über Fünfjährigen auf die Auswirkungen von Gewalt zurückzuführen.

Seit Februar 2003 ist die Region Darfur Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Trotz des Waffenstillstands geht die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung weiter. Brutale Angriffe haben bisher rund eine Million Menschen zur Flucht gezwungen und zu einer humanitären Krise geführt: Bei den Angriffen auf die Dörfer wurden die Wasserversorgung sowie die Ernte zerstört und das Vieh gestohlen. Da die Menschen ihre Felder nicht bestellen konnten, wird es in diesem Jahr keine neue Ernte geben. Die Betroffenen leben in ständiger Angst, und den meisten fehlt es an Trinkwasser, Unterkünften, Nahrungsmitteln sowie medizinischer Hilfe.

Die Studie zeigt, dass Nahrungsmittelengpässe für die gesamte Bevölkerung zu erwarten sind. Bisher ist es den Hilfsorganisationen sowie den Vereinten Nationen jedoch nicht gelungen, auch nur annähernd angemessene Hilfe zu leisten. Zudem wird die bevorstehende Regenzeit Hilfslieferungen in weiten Teilen Darfurs behindern oder unmöglich machen. "Seit Monaten ist der internationalen Gemeinschaft das Ausmaß der Krise bekannt", sagte Ton Koene, Koordinator des Nothilfeeinsatzes von Ärzte ohne Grenzen. "Doch die Nahrungsmittelverteilung war bislang völlig unzureichend. Wenn in den kommenden Wochen nicht schnell umfassend Nahrungsmittel verteilt werden, werden noch mehr Menschen sterben."

Trotz der Versprechungen der sudanesischen Regierung, schnelle Hilfe zu ermöglichen, werden Hilfsorganisationen durch bürokratische Hürden daran gehindert, schnell zu handeln. Darüber hinaus hat die sudanesische Regierung bislang nichts unternommen, um die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zu stoppen. Die sudanesische Regierung muss die Sicherheit der Zivilbevölkerung gewährleisten und sicherstellen, dass sich die Menschen frei bewegen können, um Schutz und Hilfe zu suchen.

Ärzte ohne Grenzen leistet derzeit mit rund 40 internationalen und Hunderten sudanesischer Mitarbeiter medizinische Hilfe in elf Orten in Darfur. Mehr als 900 schwer unterernährte Kinder werden in Ernährungszentren behandelt. Weitere 3.000 mäßig unterernährte Kinder erhalten zusätzliche Spezialnahrung. Darüber hinaus werden Trinkwasser und sanitäre Einrichtung für Vertriebene bereitgestellt.

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