Sudan

Sudan: Ärzte ohne Grenzen schockiert über Festnahme von Landeskoordinator - Der Organisation werden Verbrechen gegen den Staat vorgeworfen

Khartum/Amsterdam/Berlin, 30. Mai 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bestätigt die vorübergehende Festnahme ihres Landeskoordinators im Sudan, Paul Foreman, in Khartum. Dem Programmleiter werden Verbrechen gegen den Staat vorgeworfen. Ärzte ohne Grenzen wird beschuldigt, falsche Berichte veröffentlicht zu haben und die Grundlagen der sudanesischen Gesellschaft zu untergraben. Außerdem wird der Organisation Spionage vorgeworfen. Ärzte ohne Grenzen ist empört über diese Anschuldigungen und weist jegliche Vorwürfe zurück. Der Brite Foreman wurde am frühen Montagabend gegen Kaution freigelassen, darf aber den Sudan nicht verlassen.

Die Anschuldigungen beziehen sich auf den Bericht über sexuelle Gewalt in Darfur "The Crushing Burden of Rape: Sexual Violence in Darfur" vom 8. März 2005. In den Programmen der Organisation in Darfur suchen hunderte Frauen und Mädchen medizinische Hilfe, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte den Bericht, um das öffentliche Bewusstsein für die anhaltende Gewalt gegen Frauen zu steigern. Die Organisation weist ausdrücklich darauf hin, dass der Bericht keine Anschuldigungen gegen die sudanesische Regierung enthält.

Die Hilfsorganisation besteht auf ihrem Recht, sich öffentlich zur humanitären Situation in der westsudanesischen Krisenregion Darfur zu äußern, und sieht in den haltlosen Beschuldigungen einen Einschüchterungsversuch der sudanesischen Regierung gegenüber humanitären Organisationen. "Als medizinische Helfer und als Mitmenschen ist es für uns unmöglich, zu schweigen, wenn wir Zeugen derartiger Misshandlungen werden. Ärzte ohne Grenzen will der Öffentlichkeit und Regierungen diese schweren Übergriffe ins Bewusstsein rufen, damit sie unterbunden werden", sagt Geoff Prescott, Geschäftsführer der holländischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Jeder, der sich ein Bild von der Situation in Darfur gemacht hat, die sudanesische Regierung eingeschlossen, kommt zu dem Schluss, dass Vergewaltigung ein Problem ist."

Ärzte ohne Grenzen ist sehr beunruhigt über die Festnahme. Darüber hinaus ist die Organisation äußerst besorgt über das Ausmaß der Gewalt sowie die unzulänglichen Lebensumstände, unter denen die Menschen in Darfur weiterhin leiden müssen. Die Organisation leistet seit mehr als 20 Jahren medizinische Nothilfe im Sudan. Im Kampf gegen die gefährliche Krankheit Kala Azar arbeitet Ärzte ohne Grenzen eng mit dem sudanesischen Gesundheitsministerium zusammen und hat bereits mehr als 60.000 Sudanesen behandelt. Allein in Darfur hat die Organisation in den vergangenen zwölf Monaten knapp eine Million Konsultationen durchgeführt und mehr als 50.000 unterernährte Kinder behandelt. Ärzte ohne Grenzen steht den Sudanesen nicht nur in Darfur sondern auch in anderen Regionen des Landes bei.

Der Bericht steht als PDF zum Download zur Verfügung:

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030 - 22 33 77 00