Sudan

Sudan: Ärzte ohne Grenzen äußerst besorgt über anhaltende Gewalt in Darfur

Berlin, 3. August 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist alarmiert über die anhaltende Gewalt in der Krisenregion Darfur. In allen Projekten der Organisation behandeln die Teams weiterhin Patienten mit Verletzungen, die auf Gewalt zurückzuführen sind. In den vergangenen drei Wochen waren dies allein 52 Patienten.

"Unsere Teams in Darfur sind nach wie vor Zeugen der anhaltenden Gewalt gegen die Bevölkerung und sehen die Auswirkungen auf die Patienten und deren Familien", erklärte Rowan Gillies, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Wir sind darüber zutiefst besorgt." Allein von Januar bis Mai 2005 behandelten die Mitarbeiter der Organisation 500 Personen mit gewaltbedingten Verletzungen sowie 278 Frauen, die vergewaltigt wurden. In den vergangenen drei Wochen waren es 52 Opfer.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Dezember 2003 in Darfur. 180 internationale und 3.000 sudanesische Mitarbeiter arbeiten an 32 Orten der Region. Das Programm in Darfur ist zurzeit eines der größten der Organisation.

Des Weiteren behandelte ein Team am 11. Juli 2005 in Mornay 15 Frauen, die geschlagen und vergewaltigt wurden. Sie mussten notärztlich versorgt werden, um schwerwiegende medizinische Komplikationen zu verhindern. Erst einen Monat zuvor, am 9. Juli 2005, hatten die Mitarbeiter in Korma, Nord-Darfur, 15 Frauen behandelt, die am Vortag angegriffen worden waren. Unter den fünf Patientinnen waren ein 15-jähriges Mädchen und eine Frau, die im dritten Monat schwanger war.

Am 16. Juli 2005 wurden 23 Patienten in das Krankenhaus der Organisation in Mornay, West-Darfur, eingeliefert. Die Personen wurden verletzt, als es bei einer Nahrungsmittelverteilung im dortigen Vertriebenenlager zum Ausbruch von Gewalt kam. Neun Vertriebene erlitten Schusswunden. Zwei Patienten starben und sechs mussten in das Krankenhaus in El Geneina überwiesen werden. Eine Person befindet sich immer noch in kritischem Zustand.

Am 24. Juli 2005 wurde ein Team von Ärzte ohne Grenzen in Shangil Tobaya, im Norden Darfurs, Zeuge eines Angriffs auf das Vertriebenenlager, das direkt neben dem Gesundheitszentrum der Organisation liegt. Dabei kamen Granaten zum Einsatz, Unterkünfte wurden niedergebrannt und hunderte Vertriebene mussten erneut fliehen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen versorgten 14 Verletzte mit Schusswunden und Granatsplitterverletzungen, darunter vier Kinder.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030 / 22 33 77 00