Stellungnahme von Ärzte ohne Grenzen zum Bericht von Save the Children und dem UNHCR zur sexuellen Ausbeutung von Flüchtlingskindern, 28. Februar 2002

Ärzte ohne Grenzen hofft, dass der Bericht innerhalb der Hilfsorganisationen eine Diskussion darüber in Gang setzt, wie dieses Problem professionell angegangen werden kann. Über Sofortmaßnahmen hinaus müssen die Hilfsorganisationen dringend die Qualität ihrer Hilfe für Menschen in Flüchtlingssituationen überprüfen. Wir wissen, dass es schwierig sein wird, das Problem des sexuellen Missbrauchs vollständig auszuräumen. Doch wir werden alles unternehmen, um angemessen auf die im Bericht benannten Probleme zu reagieren. Gleichzeitig sollten wir jedoch nicht vergessen, mit welch großem Engagement sich internationale und nationale Helfer weltweit für Menschen in Krisensituationen einsetzen.

Das Problem der sexuellen Ausbeutung berührt darüber hinaus grundlegende Fragen zum Thema Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung in Kriegsgebieten. Aufgrund der Abhängigkeit und des fehlenden Schutzes sind die Menschen in Konfliktsituationen häufig verschiedenen Formen extremer Gewalt ausgeliefert. Ärzte ohne Grenzen setzt sich seit einigen Jahren mit diesen Themen auseinander. Trotzdem sind wir erschrocken über das ungeheure Ausmaß des Missbrauchs gerade an Orten, die sicher sein sollten.

Ärzte ohne Grenzen wird als eine der 40 betroffenen Nichtregierungs- und UN-Organisationen aufgeführt. Bisher liegen uns keine ausreichenden Informationen vor, um Maßnahmen gegen Angestellte, die möglicherweise an den beschriebenen Vergehen beteiligt waren, zu ergreifen und die betroffenen Opfer zu schützen. Ärzte ohne Grenzen hat Kontakt zu den Autoren des Berichts aufgenommen, um weitere Informationen zu erhalten.

Ärzte ohne Grenzen ist schockiert und betroffen über das Ausmaß des Missbrauchs, das der Bericht offen legt. Die Organisation verurteilt jegliche Form der Ausbeutung schutzbedürftiger Menschen in Flüchtlingssituationen.

Am vergangenen Mittwoch legten die Hilfsorganisation Save the Children und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) einen Bericht über die sexuelle Ausbeutung von Flüchtlingskindern in Westafrika vor. Der Bericht bestürzt uns zutiefst, und wir werden ihn zum Anlass nehmen, dieses Thema und die damit verbundenen Tabus zu diskutieren. Dass auch Angestellte humanitärer Hilfsorganisationen von den Vorwürfen der sexuellen Ausbeutung betroffen sind, macht deutlich, wie zynisch die Hilfe missbraucht werden kann, und so denjenigen schadet, denen sie eigentlich nutzen soll.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00