Somalia

Somalia: Zehn Jahre nach "Operation Restore Hope" Zivilbevölkerung benötigt dringend humanitäre Hilfe

Nairobi/Berlin, 9. Dezember 2002. Ein Jahrzehnt nach der Landung der UN-Truppen in Somalia, die die Bevölkerung vor einer Hungersnot retten sollten, ist die humanitäre Situation im Land alarmierend. Der anhaltende Bürgerkrieg hat nach Ansicht der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen dramatische Folgen für die Gesundheit der somalischen Bevölkerung. Während die internationale Gemeinschaft Somalia den Rücken kehrt, plädiert Ärzte ohne Grenzen für eine Verstärkung der humanitären Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1986 in Somalia tätig. Die Organisation arbeitet derzeit in den Regionen Bakool, Bay, Mudug, Benadir und Middle Shabelle. Sie konzentriert sich auf die Versorgung von Kriegsverletzten und Vertriebenen, reagiert bei Epidemien und Unterernährung, leistet medizinische Basisversorgung und führt Impfprogramme durch.

Seit Beginn des Bürgerkrieges 1990 wurden rund zwei Millionen Somalier vertrieben oder getötet. Auch die Teams von Ärzte ohne Grenzen wurden in den vergangenen Jahren mehrfach gezwungen, sich aufgrund der Gewalt zurückzuziehen. Die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Cholera, Typhus, Meningitis oder Tuberkulose wird durch die Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen und Mangel an Trinkwasser noch beschleunigt. Die Mütter- und Kindersterblichkeit gehört zu den höchsten der Welt. Ein Viertel der Kinder wird nicht älter als fünf Jahre. Schätzungsweise 500.000 Menschen sind derzeit von Nahrungsmittelengpässen bedroht.

Nach dem Scheitern des UN-Einsatzes hat sich die internationale Gemeinschaft kontinuierlich aus Somalia zurückgezogen. Die Zahl der in Somalia tätigen Hilfsorganisationen sank in den vergangenen zehn Jahren von 200 auf 61. Im selben Zeitraum ging die finanzielle Unterstützung der Geberländer um 90 Prozent zurück. Gleichzeitig ist die Not der Zivilbevölkerung groß und übersteigt bei Weitem die Kapazitäten der verbleibenden Hilfsorganisationen.

Ärzte ohne Grenzen ruft die Konfliktparteien auf, das humanitäre Völkerrecht zu respektieren, das den Schutz der Zivilbevölkerung vor Gewalt und das Recht auf Zugang zu dringend benötigter humanitärer Hilfe festlegt. Ärzte ohne Grenzen ruft darüber hinaus die Geberländer und Hilfsorganisationen auf, angemessen auf die Not in Somalia zu reagieren.

"Somalias Kriegstote und -verwundete gehen in die Zehntausende. Drei Viertel der Bevölkerung haben aufgrund der anhaltenden Gewalttätigkeiten keinen Zugang zu Gesundheitseinrichtungen", sagt Ayham Bayzid, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Galkaayo. "Erst vor wenigen Wochen wurden in einer Klinik von Ärzte ohne Grenzen nördlich von Mogadischu Patienten von Bewaffneten getötet."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00