Somalia

Somalia: Tausende Familien aus Mogadischu suchen in Afgooye Schutz - Situation der Vertriebenen verschlechtert sich zunehmend

Berlin/Genf, 23. Juli 2007. Vier Monate nach dem Beginn der Krise in Somalia sind die meisten der fast 400.000 im Land Vertriebenen nicht in der Lage, nach Hause zurückzukehren. Sie sind in hohem Maße von der Hilfe der wenigen anwesenden Hilfsorganisationen abhängig. Die große Mehrheit der Familien sucht in Afgooye und Hawa Abdi, rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Mogadischu, Zuflucht. Angesichts der sich dort verschlechternden Lage ruft Ärzte ohne Grenzen alle Akteure zu einer sofortigen Mobilisierung von Hilfe auf.

Tausende Familien befinden sich auf der Flucht aus Mogadischu, wo die andauernde Gewalt die Sicherheit der Zivilbevölkerung gefährdet. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass erst vor kurzem fast 4.900 Familien in der Umgebung von Afgooye eingetroffen sind. Die Vertriebenen leben unter prekären Bedingungen unter Bäumen und in verlassenen öffentlichen Gebäuden. Die lokale Bevölkerung hat alles dafür getan, um den bedürftigen Familien zu helfen und einfache Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Ärzte ohne Grenzen reagiert mit Hilfsmaßnahmen auf die dringendsten Bedürfnisse der betroffenen Menschen.

"Es gibt keine regelmäßigen Nahrungsmittelverteilungen in dieser Gegend. Nur sehr wenige Organisationen sind hier, um den vertriebenen Familien zu helfen", sagt Feisal Abdulkadir, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Afgooye. "Hohe Marktpreise und der Mangel an stabilem Einkommen lassen die vertriebenen Familien besonders bedürftig werden", so Feisal.

Im Juni 2007 hat Ärzte ohne Grenzen die Gesundheitssituation der Vertriebenen untersucht. Insgesamt wurden 393 Haushalte befragt und mehr als 641 Kinder untersucht. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen eine allgemeine Unterernährungsrate von 21,5 Prozent. Von schwerer Unterernährung sind drei Prozent der Kinder betroffen. Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt eine solche Situation als schwere Ernährungskrise.

Von den befragten Familien "... gaben sechs Prozent an, am Tag zuvor nichts zu essen gehabt zu haben", berichtet Monica Rull, die die Untersuchung geleitet hat. "Mehr als 60 Prozent der Familien verfügen über keine Einkommensquelle, 93 Prozent haben ihre Nahrungsmittelreserven bereits aufgebraucht oder werden bald keine mehr haben."

Ärzte ohne Grenzen ruft dazu auf, jetzt auf die sich zunehmend verschlechternde Lage zu reagieren.

Ärzte ohne Grenzen leistet in Afgooye seit April 2007 die Basisgesundheitsversorgung für rund 12.000 Vertriebene. Zudem unterstützen die Mitarbeiter das dortige Krankenhaus. In Hawa Abdi gibt die Organisation kostenlos Medikamente an die lokalen Gesundheitseinrichtungen aus und errichtet ein Cholera-Behandlungszentrum. Darüber hinaus helfen die Teams den Menschen bei der Wasserversorgung und verteilen Hilfsgüter an neu eintreffende Vertriebene. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Somalia.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Tel.: 030 22 33 77 00