Somalia

Somalia: Nach Überschwemmungen drohen Krankheiten und Hunger

Nairobi/Berlin, 22. November 2006. Die Überschwemmungen im Süden Somalias verschärfen die ohnehin angespannte humanitäre Situation in der bevölkerungsreichsten Region des Landes. Tausende von Menschen haben ihre Häuser verloren. Hunderte Familien konnten sich zwar in erhöht gelegene Gebiete retten, sind dort nun aber von der Außenwelt abgeschnitten. Ärzte ohne Grenzen hat erste Hilfsprojekte für die Flutopfer gestartet und bereitet die Entsendung weiterer Mitarbeiter und Hilfsgüter in die betroffene Region vor. Der Zugang zu den Hilfsbedürftigen gestaltet sich jedoch schwierig. Das Engagement anderer humanitärer Akteure ist dringend erforderlich.

Das größte Problem in den überschwemmten Gebieten nahe der Flüsse Juba und Shebelle ist der Mangel an sauberem Trinkwasser. Normalerweise holen die Menschen ihr Wasser aus Quellen von geringer Tiefe, von denen nach Schätzungen 70 Prozent durch die Überflutungen verunreinigt sind. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln bereits zwei Patienten mit der schweren Durchfallerkrankung Cholera. Bei mehreren anderen besteht der Verdacht auf die durch verunreinigtes Wasser hervorgerufene Infektionskrankheit.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete bereits vor den Überschwemmungen in einem Krankenhaus und einem Ernährungszentrum in Marere, einem kleinen Dorf am Fluss Juba, so dass die Hilfe schnell gestartet werden konnte. "Wegen Zugangsproblemen haben wir jedoch Schwierigkeiten, auf die steigenden Gesundheitsrisiken zu reagieren", berichtet Landeskoordinator Colin McIlreavy. "Patienten können das Krankenhaus in Marere wegen der Überschwemmungen nicht mehr erreichen. Sämtliche medizinischen und logistischen Materialien müssen eingeflogen werden, weil es schlicht keine Straßen mehr gibt."

Neben sauberem Trinkwasser werden auch Nahrungsmittel knapp. Zusätzlich zu den üblichen saisonalen Nahrungsmittelengpässen haben viele Familien durch die Überschwemmungen ihre Vorräte oder die nächste Ernte verloren. Zahlreiche Ziegen und Rindern sind ertrunken. Das Risiko von Unterernährung ist in der ohnehin mit Nahrungsmitteln chronisch unterversorgten Region gestiegen. Auch neue Unterkünfte werden dringend gebraucht. Viele Familien leben derzeit unter freiem Himmel. Die Gefahr von Atemwegserkrankungen und Malaria steigt.

Teams von Ärzte ohne Grenzen sind auch in der ebenfalls von Überflutungen betroffenen kenianisch-somalischen Grenzregion aktiv, wo sie die Menschen im Dadaab Flüchtlingslager unterstützen.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00