Somalia

Somalia: Ärzte ohne Grenzen besorgt um Sicherheit von Mitarbeitern und Patienten

Berlin/Nairobi, 28. Dezember 2006. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen hat in der vergangenen Woche rund 250 Menschen behandelt, die bei den Kämpfen in Somalia verwundet wurden. Dabei kam es am 27. Dezember 2006 zu einem Zwischenfall in Dinsor, Region Bay, bei dem vertrauliche Patientenakten konfisziert wurden.

Am Mittwoch waren Truppen in die von Ärzte ohne Grenzen betriebene medizinische Einrichtung in Dinsor eingedrungen, nachdem sie die Kontrolle über die Stadt errungen hatten. Sie übten Druck auf die somalischen Mitarbeiter der Organisation aus und konfiszierten sämtliche Patientendossiers. Informationen über die Staatsangehörigkeit der Patienten enthalten diese vertraulichen Akten nicht.

Ärzte ohne Grenzen hat sich bei der äthiopischen Regierung und der somalischen Übergangsregierung offiziell über diese klare Verletzung des internationalen humanitären Völkerrechts beschwert und verlangt die unverzügliche Rückgabe der Akten. Die Organisation ruft alle Krieg führenden Parteien dazu auf, internationales Recht zu beachten und die Sicherheit von Gesundheitseinrichtungen, Patienten und medizinischem Personal in einer Situation zu gewährleisten, in der der Zugang zu bedürftigen Bevölkerungsgruppen stark erschwert ist.

Während in der letzten Woche weite Teile Süd- und Zentralsomalias von Kämpfen betroffen waren, versorgten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen an verschiedenen Einsatzorten rund 250 Verwundete. 160 davon - sowohl Militärs als auch Zivilisten - wurden nach den Kämpfen bei Dinsor ins dortige Krankenhaus aufgenommen und von Ärzte ohne Grenzen notfallmäßig versorgt. Außerdem wurden 70 Patienten im Spital Istarlin in der Region Galgaduud behandelt. In Galcayo wurden insgesamt 19 Patienten von Ärzte ohne Grenzen versorgt.

Aus Sicherheitsgründen sind alle internationalen Mitarbeiter am vergangenen Wochenende vorübergehend aus den Projekten in Beletweyne, Huddur, Galgaduud, Jowhar und Marere evakuiert worden. Einige Wochen zuvor hatte Ärzte ohne Grenzen bereits seine internationalen Mitarbeiter aus den Projekten in Dinsor (Region Bay) und Galcayo (Region Mudug) evakuiert. Die somalischen Mitarbeiter führen die medizinische Tätigkeit weiter.

"Wir fürchten um die Möglichkeiten, den Opfern der Kämpfe angemessen helfen zu können. Der Konflikt verschlechtert die ohnehin dramatische humanitäre Lage in Süd- und Zentralsomalia weiter", sagt Gustavo Fernandez, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen für Somalia. "Der anhaltende Konflikt und Naturkatastrophen wie die jüngsten Überschwemmungen können die Lage nur weiter verschlimmern. Wir wollen unsere internationalen Mitarbeiter so bald wie möglich an ihre Einsatzorte zurückschicken, damit die Teams wieder vollständig sind."

Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Hilfsorganisationen, die seit 1991 ständig mit internationalem Personal in Somalia präsent sind.

Weitere Informationen: Pressestelle, Stephan Große Rüschkamp, Tel.: 030-22 33 77 00