Sierra Leone

Sierra Leone: Noch immer schockierende Gesundheitssituation - Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht Bericht und zeigt Auswege

Berlin, 17. Oktober 2006. Mehr als fünf Jahre nach Ende des verheerenden Bürgerkriegs in Sierra Leone ist die dortige Gesundheitsversorgung noch immer katastrophal. Nach wie vor sterben die Menschen an leicht vermeidbaren Krankheiten. Dies zeigt ein am Dienstag vorgestellter Bericht der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Und das, obwohl sich durch relativ einfache Maßnahmen viele Leben retten ließen. Der Bericht beruht auf einer Studie, die die Organisation 2005 in vier Distrikten des westafrikanischen Landes durchgeführt hat. Er beleuchtet drei Bereiche: Die Therapie von Malaria-Patienten, die Mutter-Kind-Versorgung und die Behandlungskosten, die Patienten zu tragen haben.

Malaria ist weit verbreitet in Sierra Leone - und meist tödlich. Wegen unregelmäßiger Einnahme der Kombinationspräparate auf Basis von Artemisinin (ACT) sterben viele Menschen unnötig - insbesondere Kinder. Die Untersuchung von Ärzte ohne Grenzen zeigt, dass bis zu 63 Prozent aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren auf Malaria zurückzuführen sind. Obwohl das Gesundheitsministerium vor zwei Jahren beschlossen hat, die Behandlung mit ACT ins nationale Protokoll aufzunehmen, sind die Medikamente für die meisten Patienten laut Ärzte ohne Grenzen noch immer nicht erhältlich.

"Wir können die strukturellen Probleme von Unterentwicklung in Sierra Leone nicht lösen", sagt Jonathan Heffer, Landeskoordinator der Organisation in Sierra Leone. "Doch Zugang zu ACT, "Wartehäuser" und kostenlose Behandlung würden einen großen Unterschied machen und das Leiden und Sterben verringern. Dass diese Veränderungen möglich sind, zeigen wir in unseren Projekten."

Ein weiterer Punkt ist die Mutter-Kind-Versorgung: Nach Einschätzung der Hilfsorganisation kann die Einrichtung so genannter "Wartehäuser" dabei helfen, Frauen bei Geburtsproblemen rechtzeitig medizinisch zu versorgen. Schwangere können in diesen Einrichtungen die letzten Wochen vor der Geburt verbringen. Durch die Nähe zum Krankenhaus erhalten sie bei Bedarf sofort Hilfe. Diese "Wartehäuser" sind einfach und kostengünstig zu unterhalten.

Schließlich zeigt der Bericht, dass durch die Erhebung von Behandlungsgebühren wesentlich weniger Kranke die Gesundheitseinrichtungen in Anspruch nehmen als wenn die Behandlung kostenlos angeboten wird. Dies gilt selbst für ernsthaft Erkrankte. Nach der Studie von Ärzte ohne Grenzen hat nur ein Drittel der Befragten beim letzten Krankheitsfall ein Gesundheitszentrum aufgesucht. Theoretisch sollen in Sierra Leone Kranke, denen es nicht möglich ist, Behandlungsgebühren zu zahlen, von diesen ausgenommen sein. Dieses System funktioniert jedoch laut Ärzte ohne Grenzen nicht.

Der Bericht "Lessons from pain: Treating Sierra Leone's Endless Health Emergency" sowie eine Zusammenfassung der durchgeführten Untersuchung "Access to healthcare in post-war Sierra Leone" sind hier herunterzuladen:

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00