Russische Ermittler versichern, dass entführter Mitarbeiter Arjan Erkel lebt Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Nachricht und fordert mehr Engagement für seine sichere Freilassung

Moskau/Berlin, 12. Mai 2003. Neun Monate nach der Entführung von Arjan Erkel, Projektleiter der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Nordkaukaus, haben russische Ermittler der Organisation versichert, dass er am Leben ist. Weiterhin bleibt jedoch ungeklärt, wo der Mitarbeiter sich befindet, wer ihn entführt hat und was die Motive für die Entführung sind. Ärzte ohne Grenzen ruft den russischen Präsidenten Putin auf, alles in seiner Macht stehende zu tun, um Arjan Erkels Freilassung zu erreichen.

Bis Arjan Erkel frei ist, wird Ärzte ohne Grenzen weiter auf der Homepage Unterschriften für seine sichere Freilassung sammeln.

"Entführungen von Zivilisten, einschließlich humanitärer Helfer, sind furchtbare Verbrechen", sagte Rostrup. "Sie gefährden nicht nur das Leben und die psychische Gesundheit der Helfer, die Opfern von bewaffneten Konflikten zur Seite stehen wollen. Die Angst vor weiteren Übergriffen beeinträchtigt außerdem die Aktivitäten von Hilfsorganisationen in einem beträchtlichen Maße. Und wieder einmal bezahlt die Zivilbevölkerung den Preis dafür. So lange im Kaukasus ein Klima des Terrors herrscht, ist es illusionär zu glauben, dass menschlichem Leid dort wirksam begegnet werden kann."

"Bis Arjan Erkel frei ist, fällt es schwer zu glauben, dass es seitens des Kremls ein wirkliches Interesse an humanitärer Hilfe im Nordkaukasus gibt", sagte Rostrup. Arjan Erkel ist der einzige ausländische Mitarbeiter einer humanitären Organisation, der zurzeit im Kaukasus entführt ist. Doch seit Monaten erhalten humanitäre Organisationen Drohungen, und es ist wiederholt zu Entführungen gekommen. Allein im Jahr 2002 wurden mindestens vier Helfer entführt.

Der 33-jährige Niederländer Erkel wurde am 12. August 2002 in der dagestanischen Hauptstadt Makhachkala von drei bewaffneten Unbekannten entführt. Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass seine Freilassung nur erreicht werden kann, wenn es dafür einen starken politischen Willen seitens der russischen Behörden gibt. Obwohl Ärzte ohne Grenzen mehrfach um ein Gespräch mit Vertretern des Büros von Präsident Putin gebeten hat, wurde der Organisation dieses Treffen bislang verweigert.

"Wir haben uns in letzter Zeit mehrmals mit russischen und dagestanischen Verantwortlichen getroffen, die mit diesem Fall betraut sind. Sie haben Ärzte ohne Grenzen gegenüber bestätigt, dass Arjan Erkel ihren Ermittlungen zufolge am Leben ist. Doch weil sie nicht wissen, wo er sich befindet, können sie seine sichere Freilassung nicht garantieren", sagte Dr. Morten Rostrup, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Die Organisation ruft den russischen Präsidenten Putin auf, alles zu tun, um diesen Fall schell zu einem positiven Ende zu bringen."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00