Positive Spendenbilanz 2004 - Ohne Tests und Medikamente haben Kinder mit HIV/Aids keine Chance

Berlin, 19. August 2005. Die positive Spendenentwicklung der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen ermöglicht die Ausweitung der Programme. Im vergangenen Jahr hat die Berliner Sektion 30,8 Millionen Euro an privaten Spenden eingenommen, beinahe doppelt so viel wie im Vorjahr. Dies teilte die Organisation am Freitag in Berlin mit. Vorstandsvorsitzender Stefan Krieger betonte, dass Ärzte ohne Grenzen dringend mehr Mitarbeiter für die Projekte suche. Sehr besorgt zeigte sich die Organisation darüber, dass Kinder mit HIV/Aids in ärmeren Ländern nicht ausreichend behandelt werden können. Es fehlt an geeigneten Aidstests und an Medikamenten, die einfach anwendbar sind.

Weltweit leben nach UN-Angaben 2,2 Millionen Kinder mit HIV/Aids, 88 Prozent von ihnen in Afrika. Während die Immunschwächekrankheit bei Kindern in Industrieländern behandelbar ist, haben afrikanische Kinder kaum eine Überlebenschance.

Die Spendenbilanz 2004 ist für die deutsche Sektion sehr positiv. Von den Gesamteinnahmen in Höhe von 33,6 Millionen Euro entfallen 30,8 Millionen Euro auf private Spenden (2003: 16,2 Mio. Euro). Die deutsche Sektion hat im vergangenen Jahr Projekte in 48 Ländern finanziert; der Schwerpunkt der Arbeit lag dabei in Afrika. Insgesamt wurden 194 Mitarbeiter auf 247 Projektstellen vermittelt.

Höhere Priorität muss auch die Entwicklung kindgerechter HIV-Arzneimittel haben, doch die Pharmaindustrie zeigt bislang kaum Interesse. Als Sirup verfügbare Medikamente reichen nicht aus, weil sie gekühlt werden müssen, schwer abmessbar sind, in großen Mengen eingenommen werden müssen und zudem noch schlecht schmecken. UN-Organisationen empfehlen die Herstellung von kindgerechten Tabletten, doch gibt es kaum Fortschritte auf diesem Gebiet.

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 3.000 Kinder mit HIV/Aids, von denen die meisten älter als zwei Jahre sind. Obwohl bekannt ist, dass etwa die Hälfte der Kinder unter zwei Jahren ohne Therapie stirbt, können gerade sie nicht behandelt werden. Es fehlt ein geeigneter HIV-Test. "Wir brauchen einen einfachen Test, um das Virus im Blut nachweisen zu können. Dieser muss ohne Strom, teure Geräte und Fachpersonal möglich sein," sagte von Schön-Angerer. Hier bestehe dringender Forschungsbedarf.

"Die Behandlung von HIV-positiven Kindern wird in ärmeren Ländern völlig vernachlässigt", erklärte Tido von Schön-Angerer von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Wenn nicht dringend in Tests und Medikamente investiert wird, die in ärmeren Ländern anwendbar sind, haben Kinder mit HIV/Aids keine Chance." Von Schön-Angerer forderte auch die Bundesregierung auf, sich stärker als bisher für die Behandlung von Kindern in Entwicklungsländern einzusetzen.

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