Sudan

Positive Spendenbilanz 2003, Zu wenig Schutz und Hilfe für Vertriebene in Darfur (Sudan) - Ärzte ohne Grenzen befürchtet Hungersnot und Epidemien

Berlin, 16. Juli 2004. Die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 17,5 Millionen Euro an privaten Spenden und Zuwendungen eingenommen. Dies teilte die Organisation am Freitag in Berlin mit. Vorstandsvorsitzender Stefan Krieger zeigte sich mit dem Ergebnis "sehr zufrieden". Große Sorgen bereitet Ärzte ohne Grenzen zurzeit die verzweifelte Lage der Vertriebenen in der sudanesischen Provinz Darfur. Die Menschen werden dort weder vor Gewalt geschützt noch erhalten sie ausreichend Hilfe. Die Regenzeit erschwert zudem die Verteilung von Hilfsgütern. Ärzte ohne Grenzen befürchtet eine Hungersnot und Epidemien.

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe kritisierte die Geschäftsführerin Ulrike von Pilar das späte Engagement der Politik für die Menschen in Darfur. "Alle Informationen liegen seit langem vor, jetzt muss endlich gehandelt werden", sagte sie. Den Menschen müsse dringend Schutz vor der anhaltenden Gewalt und ausreichend Hilfe zuteil werden. Von Pilar kritisierte zudem, dass die Hilfe zu langsam angelaufen sei. "Die Hilfe kommt spät, vielleicht zu spät", sagte sie.

Ärzte ohne Grenzen versorgt zurzeit 400.000 Menschen. Die Organisation befürchtet, dass viele Menschen noch immer keinen Zugang zu Hilfe haben, da sie verstreut in einem Gebiet der Größe Frankreichs leben. Schätzungen gehen von einer Million Vertriebenen innerhalb Darfurs aus. Zudem schränken Sicherheitsprobleme, bürokratische Hürden und die einsetzende Regenzeit die Bewegungsfreiheit der Helfer und der Vertriebenen ein.

Darüber hinaus ist die Versorgung in den Lagern unzureichend. Sie sind überfüllt, es fehlen Nahrungsmittel, und die Wasser- und Sanitärversorgung ist an vielen Orten katastrophal. "Mit der Regenzeit werden die unhygienischen Verhältnisse zur Zeitbombe", betonte von Pilar. Der Regen wird eine Fäkalienbrühe voller Krankheitskeime durch die Lager spülen. Schon jetzt steigt die Anzahl der Durchfallerkrankungen. "Wir befürchten Cholera und Malariaepidemien." Immer schwieriger wird zudem die Verteilung von Hilfsgütern, da sich die sandigen Pisten in Schlammlöcher verwandeln.

Zur Jahresbilanz 2003: Von den Gesamteinnahmen 2003 in Höhe von 18,0 Millionen Euro entfallen 17,5 Millionen Euro auf private Spenden und Zuwendungen (2002: 16,6 Mio. Euro). Die deutsche Sektion hat im vergangenen Jahr Projekte in 46 Ländern finanziert; der Schwerpunkt der Arbeit lag dabei in Afrika. Insgesamt wurden 179 Mitarbeiter auf 220 Projektstellen vermittelt.

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