Südafrika

Pharmaunternehmen Roche gibt Druck nach Ärzte ohne Grenzen begrüßt Preissenkung für Aidsmedikamenten

Genf/Berlin, 13. Februar 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Ankündigung des Pharmaherstellers Roche, den Preis für das HIV/Aids-Medikament Nelfinavir (Viracept®) in ärmeren Ländern deutlich zu senken. Seit April 2002 hat Ärzte ohne Grenzen das Unternehmen wiederholt aufgefordert, das Produkt zu verbilligten Preisen abzugeben. Das Medikament ist bei der Behandlung von HIV/Aids-Patienten in einigen Fällen unersetzlich und war bislang für die meisten Betroffenen unbezahlbar.

"Wir freuen uns, dass Roche seine Verantwortung im weltweiten Kampf gegen HIV/Aids wahrnimmt und eine entsprechende Preispolitik für die am wenigsten entwickelten Länder sowie die Länder südlich der Sahara einführt", sagte Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen. "Wir haben lange für diese Preissenkung kämpfen müssen. Unserer Ansicht nach darf die Preispolitik nicht allein den Unternehmen überlassen werden. Für neu entwickelte Medikamente muss ein internationales Preissystem eingeführt werden, das die Preise entsprechend den Einkommensstrukturen in ärmeren Ländern festlegt."

Das wirksamste Mittel, Arzneimittelpreise zu senken, bleibt jedoch laut Ärzte ohne Grenzen der Wettbewerb durch die Herstellung von Nachahmerprodukten. Doch Nelfinavir ist bis heute nicht als Generikum erhältlich. Ärzte ohne Grenzen zufolge bleibt nun zu prüfen, wie schnell die Preispolitik von Roche vor Ort wirklich umgesetzt wird. Regierungen ärmerer Länder, die für HIV-Infizierte die Dreifachtherapie zur Verfügung stellen wollen, sollten von diesen Maßnahmen möglichst schnell profitieren. "Unsere Patienten werden die Ersten sein, die die Auswirkungen der Preissenkungen feststellen werden", so Luppe.

Noch vor wenigen Monaten war Nelfinavir in der Schweiz für 6.169 US-Dollar pro Patient und Jahr billiger erhältlich als beispielsweise in Guatemala und der Ukraine, wo das Präparat 7.000-8.000 US-Dollar kostete.

In den am wenigsten entwickelten Ländern und den Ländern südlich der Sahara wird Roche das Medikament zukünftig für 900 US-Dollar pro Patient und Jahr abgeben. Dies entspricht einer Preissenkung von 85 Prozent gegenüber dem handelsüblichen Preis in der Schweiz. Damit kommt das Unternehmen der Forderung nach, anderen Pharmaherstellern zu folgen, die im Rahmen der Accelerated Access Initiative ihre Arzneimittelpreise für HIV/Aids-Medikamente in ärmeren Ländern bereits um rund 90 Prozent gesenkt hatten. Roche war die einzige Firma, die ihre Medikamente weiterhin zu wenig vorteilhaften Preisen für die ärmeren Länder anbot.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00