Palästinensische Autonomiegebiete: Massive Zugangsprobleme zur Gesundheitsversorgung

Jerusalem/Berlin, 21. September 2006. Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über den immer schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung in den Palästinensischen Autonomiegebieten. Seit große internationale Geber wie die USA, Japan, Kanada und die EU ihre finanziellen Hilfen für die Autonomiebehörde ausgesetzt haben, hat sich die soziale und wirtschaftliche Lage in den Gebieten bedenklich verschlechtert. Besonders besorgniserregend ist die Situation der Menschen in Hebron im Westjordanland.

Seit der Kürzung der Finanzhilfen gibt es trotz direkter Hilfen verschiedener anderer Akteure nicht ausreichend Medikamente und medizinisches Material. Der Ende August begonnene Streik der Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums verschlechtert die Situation zusätzlich. Abgesehen von einigen kleineren Zuschüssen haben die Mitarbeiter seit März diesen Jahres keine Bezahlung erhalten.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1989 in den Palästinensergebieten. Seit 2000 konzentrieren sich die Mitarbeiter neben der medizinischen Hilfe auf psychosoziale Unterstützung für Menschen mit akuten Traumata. Derzeit arbeiten Teams in Gaza, Hebron und Nablus.

Ärzte ohne Grenzen hat seit April wiederholt Krankenhäuser im Gazastreifen und in Hebron unterstützt. Seit August geben Mitarbeiter bestimmte lebensnotwendige Medikamente zur Behandlung von chronischen Erkrankungen an mittellose Patienten aus. Durch den Streik sind für diese Patienten inzwischen keine der benötigten Medikamente mehr erhältlich. Ärzte ohne Grenzen wird daher künftig eine breitere Auswahl an Medikamenten zur Verfügung stellen, damit die Erkrankten ihre Behandlung fortsetzen können.

In Hebron sind die Folgen des Streiks besonders spürbar. Der Zugang der Menschen zu medizinischer Versorgung und Medikamenten ist dramatisch eingeschränkt. Die 112 Basisgesundheitszentren des Gesundheitsministeriums sind geschlossen, und nur noch die Versorgung medizinischer Notfälle ist garantiert. Auch sämtliche öffentliche Apotheken in Hebron und Nablus sind geschlossen, nur noch wenige Notfallmedikamente wie Insulin werden ausgegeben. Privat geführte Apotheken haben zwar noch geöffnet, ihre Medikamente sind für ärmere Menschen jedoch unbezahlbar.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00