Niger

Niger: Hilfsprojekt in Maradi seit zehn Wochen unterbrochen - Ärzte ohne Grenzen hofft auf Genehmigung, um Arbeit wieder aufzunehmen

Niamey/Berlin, 1. Oktober 2008. Ärzte ohne Grenzen muss ein medizinisches Ernährungsprogramm in Maradi in Niger einstellen. Die Behörden hatten die internationale Hilfsorganisation am 18. Juli angewiesen, das Programm auszusetzen. Das Team nahm daraufhin keine neuen Kinder mehr auf und schloss schrittweise die 13 Behandlungszentren in Maradi und Umgebung. Zehn Wochen nach der Aussetzung des Programms muss Ärzte ohne Grenzen nun damit beginnen, die Verträge der Mitarbeiter aufzulösen. Ein neue Vereinbarung zwischen dem Gesundheitsministerium und Ärzte ohne Grenzen, die die Projektfortführung möglich machen würde, wurde zwar aufgesetzt. Die nigrischen Behörden haben diese jedoch noch nicht unterzeichnet. Ärzte ohne Grenzen hofft, die Arbeit möglichst bald wieder aufnehmen zu können.

"In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Kontakt mit den Behörden und die Hoffnung, dass die Aussetzung aufgehoben wird", sagt Christophe Fournier, Internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Leider haben sich diese positiven Anzeichen nur sehr langsam konkretisiert. Wir hoffen aber trotzdem noch auf einen positiven Ausgang."

Seit dem 18. Juli hat Ärzte ohne Grenzen wiederholt versucht, die Aktivitäten wieder aufzunehmen. Am 7. August beispielsweise traf sich der Landeskoordinator für Niger mit Vertretern des Gesundheitsministeriums. Nach dem Treffen entwarfen Vertreter beider Seiten eine neue gemeinsame Vereinbarung. Diese wurde dem Gesundheitsminister vorgelegt und am 15. August offiziell an den Premierminister weitergeleitet. Zusätzlich bat Ärzte ohne Grenzen Anfang September den Präsidenten und die Minister für Gesundheit und Inneres um Gespräche.

In Niger sind in den vergangenen Jahren beachtliche Schritte bei der Bekämpfung von Mangelernährung gemacht worden. Das afrikanische Land hat im Jahr 2005 nationale Behandlungsrichtlinien für schwere Mangelernährung eingeführt. Innerhalb des Gesundheitsministeriums wurde eine nationale Ernährungsagentur eingerichtet. Laut Untersuchungen des nigrischen Gesundheitsministeriums und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF ist die Zahl der Mangelernährten im Land seit 2005 deutlich gesunken.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2001 in Niger, derzeit in Maradi, Zinder und Tahoua. Von Januar bis Mitte September wurden insgesamt mehr als 61.000 akut mangelernährte Kinder in die Ernährungszentren aufgenommen. Allein in dem Programm in Maradi wurden seit Anfang des Jahres mehr als 14.000 mangelernährte Kinder behandelt. Zum Zeitpunkt der Aussetzung durch die Behörden waren dort fast 3.400 Kinder in Behandlung, 180 von ihnen stationär.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Christiane Löll, 030 - 22 33 77 00