Niger

Nahrungsmittelkrise in Niger - Ärzte ohne Grenzen verstärkt Hilfe für unterernährte Kinder

Paris/Berlin, 26. April 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verstärkt ihren Einsatz in Niger, um die Unterernährung der Menschen durch die steigende Nahrungsmittelknappheit zu bekämpfen. Bereits im Januar war die Situation in dem afrikanischen Staat alarmierend, jetzt verschlechtert sie sich zusehends. Die Anzahl unterernährter Kinder in den Programmen der Organisation ist im Vergleich zum Vorjahr drastisch angestiegen. Ärzte ohne Grenzen appelliert an andere Organisationen, dringend Hilfe zu leisten.

Seit Anfang 2005 wurden bislang mehr als 3.000 schwer unternährte Kinder in einem Ernährungsprogamm von Ärzte ohne Grenzen in der Region Maradi im Süden von Niger betreut. Damit wurden drei Mal so viele Kinder in das Programm aufgenommen wie im vergleichbaren Zeitraum im Jahr 2004. Bereits drei Monate nach der letzten Ernte leiden die Familien unter steigender Nahrungsmittelknappheit - die nächste Ernte steht jedoch erst im Oktober an. Wenn nicht sofort Maßnahmen ergriffen werden, wird sich die Lage zusehends verschlimmern.

Um das Ausmaß der Nahrungsmittelkrise der Bevölkerung nachvollziehen zu können, sammelt Ärzte ohne Grenzen in den Regionen Maradi und Tahoua Daten. Doch es ist jetzt schon deutlich, dass zusätzliche Mittel nötig sind, um diese Krise zu bewältigen. Deshalb appelliert die medizinische Nothilfeorganisation an alle Akteure, ihren Einsatz in Niger zu verstärken. Die Unterstützung unternährter Kinder und ihrer Familien zeigt nur Wirkung, wenn zusätzlich allgemeine Nahrungsmittelverteilungen für die Bevölkerung in den am schlimmsten betroffenen Regionen aufgenommen werden. Ärzte ohne Grenzen ist seit 2001 in der Region Maradi tätig.

Ärzte ohne Grenzen geht davon aus, dass im Laufe des Jahres 20.000 schwer unterernährte Kinder in den Programmen betreut werden müssen. Zusätzlich verteilt die Organisation Nahrungsmittel an die Familien der betroffenen Kinder in Niger. Insgesamt werden 850 Tonnen an Nahrung bereit gestellt. Die ersten 40 Tonnen sind bereits vor rund einer Woche in der Hauptstadt Niamey eingetroffen. Etwa 40 internationale Mitarbeiter sind im Einsatz in Niger.

Damit die große Anzahl zusätzlicher Patienten betreut werden kann, hat Ärzte ohne Grenzen bereits ein zweites Ernährungszentrum in der Region Maradi eröffnet und plant die Eröffnung eines dritten in der Region Tahoua. In einem Monat sollen 500 zusätzliche Betten für die Versorgung der am schlimmsten betroffenen Patienten bereit stehen. Zudem ist ein Netzwerk von 13 Anlaufstellen im Aufbau. Damit soll die medizinische Betreuung und Ernährung derjenigen Kinder gesichert werden, die keinen Krankenhausaufenthalt benötigen.

Ein Hintergrundpapier in englischer Sprache steht als PDF zum Download zur Verfügung:

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030-22 33 77 00